Montag, 28. August 2017

"Staubmesse" doppelt

Nichts ist beim gläubigen Volke so beliebt und bei "Liturgie-Puristen" im alten wie im neuen Ritus so unbeliebt wie die deutsche Singmesse. Deren prominenteste Vertreter sind ja bekanntlich die "Wenden-Messe" ("Wohin soll ich mich wenden" von Schubert) und die "Liegen-Messe" ("Hier liegt vor Deiner Majestät" von Kohlbrenner / Hauner / M. Haydn), letztere von den Blaskapellen auch scherzhaft als "Staub-Messe" bezeichnet. 
Gestern war nun Meinophus-Fest in Böddeken, einer der wenigen Termine, an denen man es den Gläubigen noch erlaubt, die Majestäts-Messe zu singen, nachdem man sie schon vor Jahrzehnten aus dem (Paderborner) Gotteslob entfernt hat. 
Gestern nun zog die Prozession feierlich ein und der Klerus begab sich in die an die Kapelle angebaute Klause, um sich für das Levitenamt Hochamt anzukleiden. Es war 10 Uhr, die Ministranten standen in der Kapelle schon bereit, also konnte man beginnen. Meinte der Kapellmeister. Meinte er aber nur. Der Klerus war noch nicht umgezogen, und so erfolgte auch noch kein Auszug, während die Gläubige Menge schon hingebungsvoll "Hier liegt vor Deiner Majestät intonierte. Nach beendigtem Liede tat sich weitere zwei Minuten nichts, dann erfolgte der nun recht stille Einzug. Dem Propst von Brilon, der auch als Festprediger da war, gefiel das nun garnicht, und man konnte hören, wie er vernehmlich sagte: "Das schöne Eingangslied will ich aber auch singen. Das machen wir nochmal!" Was blieb dem Kapellmeister anderes übrig, als gehorsam zu sein. So sangen wir die zwei Strophen, diesmal lauter und inbrünstiger, da ja jetzt eingeübt, noch einmal. 
Die anschließende Liturgie war ordentlich, das Wetter schön und die weltliche Feier war auch nicht zu verachten. Fazit: es war ein schöner Tag!


1 Kommentar:

  1. Einen schönen Tag, hatten wir beim Sommerfest der alten Messe auch.
    ;-)

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