Dienstag, 30. Mai 2017

Die Grill-Andacht

Der Monat Mai machte es ganz deutlich offenbar: Die schon lange totgesagte "Volksandacht" und ihre luxuriösere Variante, die "Segensandacht" sind keinesfalls so tot, wie man oft glaubt. Allerorten waren Maiandachten der Pfarreien oder diverser Gruppierungen. Eines aber ist nicht mehr wie früher und fällt auf: Ganz egal, welchen Pfarrbrief man aufschlägt, überall liest man die Redewendung "nach der Andacht wird gemütlich gegrillt" bzw. "nach der Andacht laden wir zum gemütlichen Kaffeetrinken ein." Wobei Kolpingbrüder, KAB-Gruppen und Müttervereine eher zum Grillen neigen, während Seniorengruppen zumeist zum Kaffeetrinken laden. Dabei zeigt sich, daß Andachten ohne kulinarischen Anhang zumeist entschieden schlechter besucht sind, als jene, in deren Anschluß auch etwas für die Leibesfülle getan wird. 
Man mag jetzt so humorlos sein wie jener Mitkatholik, der einmal sagte "Wenn's was zu fressen gibt, sind sie da, sonst kommt keiner in die Kirche!" Dieser Meinung möchte ich mich ausdrücklich nicht anschließen, dazu bin ich zu sehr ein Mensch der barocken Lebensfreude denn der romanischen Strenge. Der Masse der Gläubigen, da nehme ich mich nicht aus, fällt es doch recht schwer, wie der Wüstenvater Antonius oder Simon der Säulensteher zu leben. 
Wenn also das gemütliche Vespern ganz offensichtlich dazu angetan ist, die Volksfrömmigkeit wenigstens etwas anzuheben, dann soll man es ruhig machen. 
Noch etwas fiel mir auf: In dem sehr dicken und mit viel Aufwand erstellten "Zukunftsbild" für unsere Erzdiözese tauchen weder die "Grillandacht" noch die "Kaffeeandacht" als zeitgemäße moderne Formen der Glaubensweitergabe auf. Der Verdacht drängt sich mir auf, daß im Generalvikariate eventuell einige ganz humorlose Asketen an unserer pastoralen Zukunft herumbasteln. Das kann nicht gutgehen, wie die Geschichte zeigt. Unser verewigter Fürstbischof Friedrich Wilhelm (1782 bis 1789) war auch so ein hagerer und magenkranker Zeitgenosse. Der hat seinen Diözesanen dann gleich aus Gründen der "Aufklärung" die Masse der arbeitsfreien Feiertage (um die 50 an der Zahl) gestrichen und die Volksfeste bei Wallfahrten und Prozessionen verboten. Beliebt gemacht hat er sich mit dieser Art spaßbefreiter Zwangsaskese beim gläubigen Volke nicht...

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