Donnerstag, 11. August 2016

Annentag: Nachlese

Hier nun die Nachlese zum Annentag.

Ich mache es mal so kurz wie möglich. 
Lichtenauer Prozession zieht mit Pfarrer, aber wieder einmal ohne Allerheiligstes. 
Aus 70 Gläubigen sind mittlerweile deren 20 geworden. Toller Absturz in nur 4 Jahren. 
Holtheimer Prozession hat 19 Gläubige, davon zwei auswärtige. Der für Holtheim zuständige "Pastor im Pastoralverbund" erwartet die Prozessionen in der Kapelle. Warum er die Holtheimer Prozession nie begleitet, obwohl dies von der Gemeinde gewünscht wird, entzieht sich der Kenntniss des Verfassers. An seiner körperlichen Verfassung kann die Nichtteilnahme nicht liegen. 
Obwohl Pastoralverbundstag, ist der dritte Geistliche des Verbundes garnicht da. Er macht unterdessen sein eigenes "Ding" in "seinen" Dörfern, obwohl laut amtlicher Propaganda sich der ganze PV in Amerungen versammeln soll. Na ja...
Das Hochamt beginnt. Eingangslied: "Lobe den Herren". Wie einfallslos.  Dafür funktioniert die Mikrophonanlage einwandfrei. "Weihrauch, der Weihrauch muß mal hierhin kommen!" erfährt die interessierte Schar der Gläubigen. Alle mehr oder weniger geflüsterten "Regieanweisungen" werden auf diese Weise die ganze Messe über ins gläubige Kirchenvolk transportiert.
Gloria: "Gott in der Höh sei Preis und Ehr". Paderborner Glorialieder gibt es anscheinend nicht. Die Nummer wird auch nicht angesagt. Also singe ich den Text, den ich als Kind aus dem Sursum Corda gelernt habe. Viele Ältere machen es ebenso. Dazwischen der Gesang einiger Profi-Konzilskatholikinnen, die alle Nummern aus dem neuen GL jetzt schon auswendig wissen. Sie gucken böse. Ihr Gesang fällt aber nicht großartig auf. Man trägt, wie dem Annentage angemessen, weiße Caseln (Polenware), liest aber die Messe vom x-wer-weiss-wievielten Sonntage im Jahreskreis.  Liturgischer Murks erster Güte. Das Volk bemerkt das Fehlen der Annenmesse sehr wohl und murrt. 
Predigt unter dem Motto: "Früher war alles besser". Herr Pfarrer macht uns allen klar, das früher eben nichts besser, sondern nur anders war. Beharren auf Traditionen ist etwas generell schlechtes. Sein Beispiel: Die Schützenvereine (die er ohnehin haßt wie die Pest), die in ihren Schützenmessen immer noch die Messe "Hier liegt vor Deiner Majestät" singen. Er bezeichnet den Text als einfach nur schrecklich und nennt die unbelehrbaren Orte Holtheim, Grundsteinheim und Kleinenberg auch gleich beim Namen. Was das ganze Gerede mit dem Annentag und der Verehrung der Hl. Mutter Anna zu tun hat, weiss wohl nur der Herr Pfarrer. Der Rest ist bedeutungsloser Pastoralsprech im Sinne der zurechtgeschusterten Pastoralvereinbarung und des "Zukunftsbildes" der Diözese.
Die Opfermesse dauert nur halb so lang wie die Vormesse, obwohl es in jener nur eine Lesung gab. 
Opferungslied: "Was uns die Erde Gutes spendet". Klar, was anderes als diese Pantheistenhymne können die meisten Blaskapellen ja auch nicht mehr spielen. Billig und gut halt...
Sanctus: Choralsanctus vom Kirchenchor, endlich mal nicht der olle Schubert. 
Kanon: recht vorkonziliar... Man beginnt mit den Wandlungsworten, alles andere hat man schon leise unterm Sanctus gebetet. 
Beim Pater noster müssen sich alle bei den Händen nehmen. Ich murmele in meine Umgebung: "Wer mich anpackt, hat blaue Augen!" Das wirkt. Zehn Holtheimer stehen wie eine Wand, wir alle fassen uns nicht an. Beim Friedensgruß dasselbe Spektakel. Wieder ohne uns.
Zur Kommunionspendung wurden die Kommunionhelfer von Meßdienern mit roten Regenschirmen begleitet. Früher hatte man für sowas Fähnchen...
Ein Regenschirm nähert sich dem Pfarrer. Dieser, dank Mikrophon für alle gut verständlich: "Nein, ich teile nicht aus. Ich hab doch meine Allergie, da setz ich mich lieber hier hin." Zur Kommunionspendung singen wir "Christen singt mit frohem Herzen", wieder ohne Nummernangabe. Nur gut, daß die Sänger im Kirchenvolk die alten Lieder noch auswendig können.
Vor dem letzten Segen wird uns noch schnell ein syrisch-katholischer Flüchtling vorgestellt, der im Dorfe untergekommen ist und um den sich einige Freiwillige aus der Kirchengemeinde kümmern. Der arme Kerl kam mir so etwas von vorgeführt vor. Habe mir immer vorstellen müssen, wie ich mich fühlen würde, wenn ich dort vor 500 Gläubigen meine frisch erworbenen Sprachkennnisse unter Beweis stellen müßte. Schluck...
Zum Schluß durften wir dann sogar mit Ansage der Nummer drei Strophen "Mutter Anna, Dir sei Preis!" singen. Wie gütig.
Über die anschließende weltliche Feier gibt es nichts zu berichten. Sie war wie immer: kulinarisch ausgewogen und feuchtfröhlich.
Den Helfern für den kirchlichen und weltlichen Teil der Feier muß hier einmal ein Lob ausgesprochen werden: Um Kapellenschmuck und Logistik aller Art hatten sich alle ganz vorbildlich gekümmert.
Nun denn: wir hoffen also auf bessere Zeiten. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.


Kommentare:

  1. Trotz Düsternis der Beschreibungen entlockt einem der Blaue-Augenspruch ein Leuchten im Gemüt...sehr schön.
    Gott zum Gruß!

    AntwortenLöschen
  2. Das hält sich doch alles noch im Rahmen. Ich mußte mir neulich die Predigt eines 68er-Priesters anhören, der uns erzählte, daß wir uns über Merkels Gäste zu freuen hätten...

    AntwortenLöschen