Dienstag, 9. Februar 2016

Nachlese zu Mariä Lichtmeß



Das Fest Mariä Reinigung (Lichtmeß) ist mir seit Kindertagen eigentlich immer eines der liebsten Feste im ganzen Jahr gewesen. In meinem Heimatort war in diesem kein Festhochamt, da an Dienstagen die Kapellengemeinden in H. und B. „dran“ sind. Da macht es auch nichts, daß der Nachbarort, nennen wir ihn Tiefenthal,  Marienwallfahrtsort ist: Dienstags sind H. oder B. dran und damit basta. Getauscht wird da nichts. Gut, daß Ostern immer auf einen Sonntag fällt… Also habe ich das gemacht, was man den „Taditionskatholiken“ in unserer Kirche immer vorwirft, von den „normalen“ Gläubigen im neuen „Zukunftsbild“ aber eindringlich fordert: Meßtourismus.
Da Muttern auch gern ins Hochamt mochte und wir zudem auch ein paar Kerzen zu weihen hatten, ging es also ins Dorf B. Die sechs Kilometerchen waren ja dank Auto schnell bewältigt und die dortige Kapelle kennt man sowieso, da sich dort in besseren Zeiten Sonntags um halb neun alle Frühmeßgänger der umliegenden Pfarreien trafen, um liturgischen Experimenten, neuen geistlosen Liedern Endlospsalmen und Chorraumbevölkernden Hilfsliturginnen im Laienstande zu entgehen. Dort wurde immer eine ordentliche Hl. Messe gelesen und der Organist, unser alter Milchkontrolleur, spielte jene Lieder, die alle gern sangen, die aber auch unsere Urgroßväter schon gern gesungen hatten.
Derartige Erinnerungen hätte ich besser aus meinem Kopfe verbannt, wie sich bald zeigen sollte. Der Anfang war schon einmal positiv: Obwohl es die erste Meßfeier seit dem 4. Advent in dieser Kapelle war, hatte der Küster wie in jedem Jahr für einen sehr schönen Weihnachtsbaum mit Strohsternen gesorgt und auch die Krippe wie immer aufgebaut und alles auch bis Mariä Lichtmeß stehen gelassen. Das ist neben dieser Kapelle im Pastoralverbund sonst nur noch in einer einzigen Filialkirche üblich, die ihr zugehöriges Dorf schon vor 500 Jahren eingebüßt hat. In allen anderen Kirchen wird den Gläubigen zu „Taufe des Herrn“ seit Jahren eingehämmert, daß ja nun die Weihnachtszeit vorbei sei, bla, bla, bla. In jenen Kirchen sind Weihnachtsbäume und Krippe zu Lichtmeß schon mindestens zwei Wochen Geschichte.
Neben mir hatten auch noch einige andere Gläubige zu weihende Kerzen mitgebracht und legten sie an den Altarstufen dort ab, wo sie schon immer hingelegt wurden.
Der Herr Pastor erschien und der Küster wies in der Sakristei darauf hin, daß die Kerzen für die Kerzenweihe dort lägen. Durch die halboffene Tür der winzigen Sakristei konnte man vernehmen:
„Das ist aber heute nicht! Kerzenweihe ist grundsätzlich nur, wenn auch Lichterprozession gehalten wird. Im Pfarrbrief stand auch nichts von Kerzenweihe, das müssen die Leute doch lesen!“
Der Küster erklärte ihm seelenruhig, daß ihn das nichts anginge und er (der Herr Pastor) dann eben den Leuten klarmachen müsse, warum er an Mariä Lichtmeß keine Kerzen zu weihen gedenkt. „Stellen Sie’s Weihwasser raus!“ war die knappe Antwort.
Über das Festhochamt  die stille Messe gibt es nicht viel zu sagen. 17 Anwesende, keine Orgel, keine Ministranten (gibt es in dem Dorf nicht mehr), gelesene Messe. Wenigstens durften wir noch Weihnachtslieder singen. Und natürlich sang uns der Zelebrant wieder einen Psalm vor. Am Schluß der Messe sang er uns auch noch das Schlußlied vor. So richtig konnte das keiner, es war mal wieder was neues, auf das wir umgeschult werden sollten. Nach dem Liede wandte der Zelebrant sich den Kerzen zu, betete still etwas aus einer Mappe, ergriff das Aspergill, schlackerte etwas Weihwasser auf die Kerzen und  „pfefferte“ sein Handwerkszeug wieder in den Weihwassereimer. Dann zog er still und erhobenen Hauptes aus. Den im Hochstift immer schon zu Lichtmeß üblichen Blasiussegen (war auch vor dem Konzil schon so!) gab es natürlich auch nicht.
Wär ja noch schöner, den Abend zu einer Ansammlung von niedlichen Volksliturgien zu machen, damit die alten Betschwestern und Ewig-Gestrigen ihre Ruhe haben.
Toll. Ich bin begeistert von einer derartigen Nicht-Liturgie. Damit bekommen wir langfristig die Jugend wieder in die Kirche! Das ist also die Liturgie, wie sie sich das Zukunftsbild der Erzdiözese Paderborn vorstellt!
Liebloser geht es nicht mehr! Verschont uns besser ganz mit solchen Feiertagsliturgien, als die wenigen treuen Gläubigen damit so zu ärgern, daß sie anschließend nicht schlafen können! Da schnappt man sich doch besser zuhause die Goffine und muß sich nicht ärgern...



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