Dienstag, 26. Mai 2015

Liturgisches Feingefühl: "Hier liegt vor Deiner Majestät" und die Folgen

Keinerlei Liturgisches Gefühl bewies am gestrigen Tage der hochwürdige Herr Pfarrer Wx im kleinen Titularstädtchen Kx, irgendwo in den Tiefen Westfalens. Nun zum Drama selbst:
Schützenmesse. Pfingstmontag. Schützenmesse im Hochstift heißt an recht vielen Orten:
Es wird die "Liegen-Messe", oder, wie die Bläser sie nennen, die "Staub-Messe" gespielt und nichts anderes. Basta. So auch in unserem Städtchen. Die Kirche ist voll, alles singt laut und kräftig "Hier liegt vor Deiner Majestät". Während beider Strophen steht der Herr Pfarrer grinsend an seiner Sedilie und kratzt sich mit der einen Hand am Kinn, während die andere Hand die Kratzhand abstützen muß. Die Heilige Messe beginnt er mit den Worten: "Ich muß ja immer lächeln, wenn ich sehe, wie Sie zwar alle stehen, aber singen "...im Staub die Christenschar". Wenn ich mir so vorstelle, wie das aussähe, wenn hier alle auf dem Boden kriechen würden..."
Die Hl. Messe beanspruchte 30 Minuten. Kein gesungenes Amt, zweites Hochgebet ohne Namen von Papst und Bischof, Schlußformeln der Gebete mit "Bruder und Herrn". Friedensgruß und ausgiebiges Händchenschütteln entfielen wohl nur, weil auch sie zu lange gedauert hätten. In der Predigt erklärte der Herr Pfarrer ausführlich, daß die Kirche alle Hochfeste zwei Tage lang feiert und das auch wichtig sei etc. pp. Daß die von ihm so gelobte Liturgiereform die Pfingstoktav und damit den Pfingstmontag abschaffte und wir in Deutschland nur "Pfingstmontag mit Votivmesse" "spielen", damit die Leute ein rotes Gewand an diesem Tage sehen, verschwieg er den anwesenden Grünröcken. Der Hammer aber kam noch..
Vor dem Schlußsegen wurden wir noch mit folgender Bemerkung des H.H. Stadtpfarrers beglückt:
"Also, Ihr habt ja komische Meßdiener hier in Kx (N.B. es handelte sich um zwei Schützen, die ministrierten). Die wollten mir doch zur Gabenbereitung als Hauptgetränk glatt das Wasser andrehen. Also, Jesus bin ich noch nicht, der konnte ja Wasser in Wein verwandeln, aber ich nicht. Den beiden mußte man ja alles sagen, was sie tun sollten."
Dem hochwürdigsten Herrn ist offensichtlich jedweder Sinn für das, was Liturgie ist, abhanden gekommen. 
Der einzige Lichtblick in dieser Messfeier waren die altbekannten Lieder. Dank an die Schützen: sie verteidigen landauf-, landab diese vom Volke sehr geliebte, vom Klerus aber verfemteste aller Singmessen gegen das endgültige Vergessen.
Merken Sie sich das, Herr Pfarrer: Wir singen das weiter, auch wenn sie sich im Hochamt auf den Kopf stellen und "Hurra" schreien sollten. Gewisse Teile des Kirchenvolkes möchten nämlich gern katholisch bleiben. Sparen Sie sich Ihre peinlichen Umerziehungsversuche!

Kommentare:

  1. Pfarrer kommen und gehen. Sie sind Windhauch...

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  2. Leider kommt zumeist nichts besseres nach, da man hier im Hochstift immer so gewisses Personal "entsorgt". Diese Herren sind für die Dörfler ja gut genug...

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  3. Warum holt ihr Euch keinen (Weih)bischof?
    Die haben doch am Pfingstmontag meist nichts zu tun. Klar, der ein oder andere ist vielleicht auf einer Primiz als Festprediger oder sonstwas. Einer war z.B. gestern in Balve im Sauerland und hat dort konzelebriert.

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  4. Wie war der Spruch der vor Jahren durch die Gazetten ging: "Warte bis der Stadtpfarrer kommt"!

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