Donnerstag, 5. Februar 2015

Die Herren Organisten...

...sind ja liturgisch, wenn man sie so hört, bestens vorgebildet und befinden sich jenseits jedweder Kritik. Einige von ihnen empfinden es bereits als unverschämten Angriff auf ihre Kunstfertigkeit, wenn sie so etwas banales wie Kirchenlieder spielen sollen. Und wenn schon, dann möchten sie dieselben natürlich selbst aus dem Gesangbuch aussuchen. Und was passiert?
Da wird am Feste Mariä Lichtmeß (vetus ordo) zur Opferung jener urprotestantische "Morgenglanz der Ewigkeit" von Christian Knorr von Rosenroth beschworen. Folge: Man singt so irgendwie gelangweilt mit oder steckt die Nase gleich in den Schott. Jämmerliches Gejaule ist die Folge. Nach dem Amte wird der Blasiussegen erteilt. Alles Volk erwartet, daß man doch nun wie schon seit Urzeiten "Zu Dir schick ich mein Gebet... Heilger Bischof Blasius" singt. Dessen Strophen eignen sich zudem hervorragend, um die Zeit in der Warteschlange sinnvoll zu überbrücken. Nichts da. Zwei Strophen "Im Frieden Dein, o Herre mein" des lutherischen Pfarrers Friedrich Spitta beschließen lieblos dahingeorgelt das Hochamt an einem der volkstümlichsten Marienfeste. 
Grausamer als mit diesen musikalischen Klamotten kann man wohl kaum danebengreifen. Solche Liedchen, die zumeist erst im 20. Jahrhundert, und dann oft aus zwielichtigen ökumenischen Beweggründen, in unsere Gesangbücher Einzug hielten, eignen sich für Feiertage nun überhaupt nicht. Wenn man sie denn unbedingt singen will (viele gute Gründe gibt es dafür nicht), gibt es dafür genügend Ferialtage vierter Klasse.
Ist es denn wirklich so schwer, aus dem Diözesananhang gute und geeignete Lieder auszusuchen, die zum Festgeheimnis passen? Die Gläubigen haben es endgültig satt, mit diesen Allerweltsgesängen vollgedudelt zu werden, die irgendein wildgewordenener Diözesankantor zur Einschläferung der Kirchgänger im ordentlichen Ritus allwöchentlich aussucht. Man stopfe dieses spätbarocke, pietistische Protestantengesinge bitte endlich in die Mottenkiste der Geschichte und packe die Ergüsse des Ehepaares Thurmair gleich dazu. Die Protestanten dürfen sich damit weiterhin gern ihre Kirchen leersingen.
Man komme mir jetzt nicht mit Choral. Die Debatte hatten wir schon ausgiebig. Zum Eingang, zur Opferung und zum Schluß kann man sehr gut ein altbewährtes deutsches Lied singen. Aber keinen musikalischen Sondermüll.  Das gilt sowohl für den ordentlichen, wie auch für den außerordentlichen Ritus.
So, das mußte mal raus. Ich habe fertig.

Kommentare:

  1. Es geht schlimmer: Man kann einen Organisten haben, der schnarchlangsam spielt. So, daß mußte ich jetzt auch mal loswerden.

    Am Dienstag habe ich auch musikalisch so manches erlebt. Die junge Organistin (17 oder 18 Jahre alt) macht die Sache gut. Wenn man ihr Alter bedenkt, steckt da sicher noch einiges an Potential drin.
    Der Männerchor sang zum Gloria zwei oder drei Stophen ambrosianischen Lobgesang, also "Großer Gott wir loben dich." Blöd war, daß es am Ende der Messe ein Te Deum gab, also "Großer Gott wir loben dich.".
    Dann gab es noch irgendwelche Abendglocken oder wie das Stück heißt und ähnlichen allerweltskram, den man eben immer singen kann, wenn was „feierlich“ sein soll: Egal ob Messe, Beerdigung, Jahreshauptversammlung oder Weihnachtsmarkt. Ich glaube die guten Mächte haben auch nicht gefehlt…

    Klar… passt ja auch alles super zum Blasiusfest…

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  2. Das ist tatsächlich ein Erlebnis, das man niemandem wünscht! Ich kenne das Problem auch von unserem Männerchor (Dorf): Man singt ab und an in der Kirche aus dem halbreligiösen repertoire, daß man hat, und nichts paßt mehr. Die Qualität des Gesanges läßt aufgrund Nachwuchsmangels dann auch zu wünschen übrig. Aber das "Problem Gesangverein" löst sich gerade überall von selbst... sie sterben weg wie die Fliegen. Es gibt sehr schöne, einfache Männerchorsätze zum "Sursum Corda". Wenn sich die Dorfchöre dort bedienten, wäre der Liturgie kein Abbruch getan und man hätte eine zwar schlichte, aber doch passende geistliche Musik. Seufz...
    Zum "Schnarchlangsamen": Stimmt, es war gruselig. Trotzdem muß ich ihm ein klein wenig die Stange halten. Er ist nicht der Typ Organist, den ich oben beschrieb. Zudem ist er schon weit über 80, ein Herr A. könnte sein Enkel sein. Er spielt auch nur, wenn niemand anderes kann. Er ist auch nie genervt, sondern freut sich aufrichtig, wenn man seine Dienste noch braucht. Unter diesen Umständen verzeihe ich ihm sein schon sehr langsames Spiel dann auch.

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  3. Und hier nun die Rache eines Organisten ... diese Schelte war mit ein Grund, warum ich heute unseren Gläubigen mit einem "neuen" (na ja, für die Gläubigen neuen) Thurmair-Lied auf den Leib gerückt bin: "Nun, Brüder, sind wir frohgemut" ...

    Kreutzers Abendglocken-Chor (ich vermute mal, daß Jürgen den meint) aus der Oper "Das Nachtlager von Granada" passt freilich in die Liturgie so gut wie das Vineta-Lied zur Maiandacht ("... die Stadt versank,vergebens klang der Mönche flehender Chorgesang: Salve Regina ...") ... ;-)

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