Mittwoch, 28. Januar 2015

Gebet für den Landesherrn

Meine gestern gezeigte Zuneigung zum Hause Hohenzollern ist, daß muß ich zugeben, nicht so ganz uneingeschränkt. Immerhin wurden wir erst durch den Reichsdeputationshauptschluß und seine gräßlichen Folgen zu (Beute-)Preußen.
Heute soll es aber um eine andere Kuriosität gehen. Das Paderborner Diözesangesangbuch "Sursum Corda" erschien zwischen 1874 und 1948 unverändert. Hinzu kamen nur jeweils ein kleiner Sonderanhang mit Einheitsliedern (brauchte, außer im Felde, eh niemand) und ein (sehr nützlicher) Anhang mit zusätzlichen Weihnachtsliedern.
So kam es nun, daß bis 1948 folgendes im Gesangbuche zu finden war:

Für den Landesherrn
1. Für unser Fürsten beten wir, er sei dein Bild auf Erden!
O, laß durch ihn, Herr Gott, von dir, dein Volk beglücket werden.
Verleih ihm Weisheit, Mut und Kraft, was wahres Wohl im Lande schafft,
mit Sorgfalt wahrzunehmen.
2. Gib, daß er uns, von dir gesandt, stets väterlich regiere
und deinen Segen in das Land nach deinem Willen führe;
daß er ein Schutz der Unschuld sei, den Redlichen mit Lohn erfreu'
und allem Unrecht steure.
3. Laß ihn mit uns der Zeiten Ruh, des Friedens Glück genießen;
leg seinen Jahren Jahre zu, die segensvoll verfließen.
Dein Schild, o Herr, beschütze ihn, laß Glauben, Tugend, Wohlstand blüh'n,
in seinem ganzen Reiche. 
4. Laß ihn mit uns bemühet sein, in deiner Furcht zu leben,
sich deiner Oberherrschaft freu'n, mit uns dein Lob erheben;
daß so vor deiner Majestät, die über alle Hoheit geht,
Regent und Volk sich beuge.

Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, du König aller Könige! Wir bitten dich inständig für unsern teuern Landesvater. Laß den Geist der Wahrheit und Gerechtigkeit, den Geist der Weisheit und Güte auf ihm ruhen. Segne ihn mit deiner hilfreichen Gnade, daß er seines Volkes Glück väterlich begründe, lange lebe, wahres Wohl genieße und so vor deinem Angesichte wandle, daß er in deinem Reiche ewig selig werde: durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen.

Das Lied wird übrigens, so man es probieren will, auf die Melodie "Lobpreiset all zu dieser Zeit..." gesungen.

Wo wir gerade beim Landesherrn sind: Heute ist das Fest des Hl. Kaisers Karls des Großen!

Kommentare:

  1. Eingedenk der Tatsache, daß unsere Landesherren das Volk erst nach Verdun, dann nach Stalingrad und schließlich nach Maastricht geführt haben, ist ein wenig Distanz zu unseren Herrschern ganz angebracht.

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  2. Stimmt schon, aber sollten wir nicht gerade deswegen für sie beten, weil sie arme Sünder sind, damit sie nicht in Versuchung geraten, das anvertraute Volk ins Verderben zu führen?

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