Dienstag, 6. Januar 2015

Erscheinung des Herrn, Dreikönigswasser, Sternsinger etc.


Dieser Eintrag hätte eigentlich schon vor einigen Tagen erscheinen sollen, aber zuweilen wird man doch etwas vergeßlich...
Heute ist also das Fest der Erscheinung des Herrn. So findet am Vorabend oder auch am Feste selbst vielerorts die Weihe von Dreikönigswasser statt. Immer wieder wird nach dem korrekten Rituale dafür gefragt. Es findet auf Introibo-net.

Scheinbar nicht auszurotten ist die Ansicht, die Buchstaben C+M+B, welche die Sternsinger resp. Meßdiener vielerorts an die Türstürze schreiben, stünden für "Christus mansionem benedicat", d. i. "Christus segne dieses Haus (Wohnung)". Dem ist nicht so, wie eindeutig zu sehen ist, wenn man sich das Weihegebet für die Kreide im Rituale Romanum ("außerordentliche Form") einmal ansieht:

Benedictio cretae in Festo Epiphaniae

V/. Adjutorium nostrum in nomine Domini.
R/. Qui fecit caelum et terram.
V/. Dominus vobiscum.
R/. Et cum spiritu tuo.
Bene + dic, Domine Deus, creaturam istam cretae : ut sit salutaris humano generi; et praesta per invocationem nominis tui sanctissimi, ut, quicumque ex ea sumpserint, vel in ea in domus suae portis scripserint nomina sanctorum tuorum Gasparis, Melchioris et Baltassar, per eorum intercessionem et merita, corporis sanitatem, et animae tutelam percipiant. Per Christum Dominum nostrum. R/. Amen.
Et aspergatur aqua benedicta.

Zu deutsch: Segne, Herr und Gott, dieses Geschöpf der Kreide. Laß sie dem Menschengeschlechte zum Heile gereichen und gewähre durch die Anrufung Deines Heiligsten Namens, daß alle, die davon nehmen oder damit die Namen Deiner Heiligen Caspar, Melchior und Balthasar auf die Türen ihres Hauses schreiben, durch deren Fürbitte und Verdienste Gesundheit des Leibes und das Heil ihrer Seele empfangen. Durch Christus, unseren Herrn. R./ Amen. 

Über das, was in nachkonziliaren Ritualien aller Art und Herkunft an Deutungsversuchen zusammengeschustertgebastelt wurde und wird, soll hier mit Anstand geschwiegen werden.

Auch über die Aufkleber, auf denen der Segensspruch schon aufgedruckt ist, brauchen wir hier nicht zu debattieren: Das ist Unfug im allerschlimmsten Sinne und sollte keinesfalls geduldet werden! Einzig tolerierbar ist ein dunkler Klebestreifen, auf den der Ministrant mit der gesegneten Kreide den Segensspruch anbringen kann. Dies kann bei modernen Türen mit glatter Oberfläche recht hilfreich sein.

Interessant ist auch, was da so alles vor sich hingemurmelt gesungen wird... Es gibt oft altüberlieferte Weisen, die in den verschiedenen Landstrichen gebräuchlich sind/waren. Sie gilt es als örtliche Tradition unbedingt zu bewahren. Für alle, bei denen keine alte Sondertration besteht und die nicht auf das zumeist mehr als seichte Liedgut der letzten 30 Jahre zurückgreifen möchten, hier ein ebenso einfacher, wie volksliturgisch korrekter Vorschlag:

1. Es führt drei König Gottes Hand mit einem Stern aus Morgenland
zum Christkind durch Jerusalem in einen Stall nach Bethlehem.
Gott, führ auch uns zu diesem Kind und mach aus uns sein Hofgesind‘!

2. Aus Morgenland in aller Eil', sie reisten weit, viel hundert Meil!
Sie zogen hin zu Land und See, bergauf, bergab, durch Reif und Schnee.
Zu Dir, o Gott, die Pilgerfahrt uns dünke nie zu schwer und hart.

3. Sie kehrten bei Herodes ein, am Himmel schwand des Sternes Schein;
doch wie zum Kind sie eilig gehn, den Stern sie auch von neuem sehn.
Gott, laß das Licht der Gnad‘ uns schaun, auf Deine Führung fest vertrau‘n!

4. Und überm Haus, wo's Kindlein war, stand still der Stern so wunderbar;
da knieen sie und weih‘n dem Kind Gold, Weihrauch, Myrrh' zum Angebind‘.
Gott nimm von uns als Opfergut, Herz, Leib und Seele, Ehr und Blut!

5. Durch Weihrauch stellten fromm sie dar, daß dieses Kind Gott selber war;
die Myrrh' auf seine Menschheit wies, das Gold die Königswürde pries.
O Gott, halt uns bei dieser Lehr, dem Irrtum und dem Abfall wehr!

Interessant ist ebenfalls die Weihe von Dreikönigszetteln, die die Sternsinger überbringen bzw. die nach der Weihe in der Kirche ausgegeben werden können. Hier ein älteres Beispiel, oben kann handschriftlich die Jahreszahl eingefügt werden:

1 Kommentar:

  1. Danke für diesen richtigen und wichtigen Hinweis! Wobei ich doch denke, dass eine zweite, untergeordnete Deutung mit "Christus mansionem benedicat" dennoch nicht ausgeschlossen bleiben muss. Et, et!

    (Als ich bei den Sternsingern mitging, wurde uns natürlich auch eingebläut, dass die volkstümliche Deutung oh so sehr falsch ist ... )

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