Donnerstag, 6. November 2014

"Katholiban" im Wallfahrtsort

Vor einigen Tagen war ich zu Gast in einem Marienwallfahrtsort irgendwo in Westfalen. Seit Jahrhunderten wird die "Helferin vom großen Tale" nun schon dort verehrt. Neben der schönen Wallfahrtskirche gibt es auch ein "Muttergottesbrünneken" mit Lourdesgrotte und einer kleinen Kapelle. 
Schon immer haben die Gläubigen dort das Wasser aus der Quelle getrunken, bei Augenleiden soll es des öfteren geholfen haben. Niemals in der Geschichte wurde es von irgendwelchen Ämtern untersucht und nie ist jemand nach seinem Genusse krank geworden oder gar verblichen. Das Gegenteil ist der Fall. Bis in unsere Zeit wenden sich immer wieder genesene Pilger mit Dank an die Gnadenmutter. 
Wo solcher Friede sich breitet, können EUdSSR -Bürokratie und preußischer Amtsschimmel nicht weit sein, um selbst den Betern mit ihren Vorschriften das Leben zu vermiesen.
Die für den Ort zuständige politische Gemeindeverwaltung bemerkte unlängst, daß das Wasser dieser Quelle nicht lebensmittelrechtlich untersucht sei und stellte inmitten neugotischer Gartengestaltung, unmittelbar neben dem besagten Brünneken, eines jener scheußlichen, großen und blechernen Hinweisschilder auf, welches in 10 cm großen Lettern den Betern kundtut:
KEIN TRINKWASSER!
Man komme mir jetzt nicht mit Nitratgehalt und ähnlichem Gedöns. Es handelt sich um eine Wallfahrtsstätte, an der mehr Leute geheilt als krank geworden sind. Basta. Gerechte Empörung unter den Gläubigen machte sich breit. Am liebsten hätte man das Schild ja abgesägt. Das aber wäre Sachbeschädigung und eine Straftat gewesen. Zwar war man der Meinung, das Absägen eines solchen Schildes sei nur eine kleine Läßlichkeit, die "sogar noch der Küster vergeben" könne. So ganz verlassen mochte man sich aber doch nicht auf die selbstgeschneiderte Moraltheologie. Da stand nun also immer noch das Ärgernis in Form des von der ohnehin ungeliebten Stadtverwaltung hingestellten Schildes. 
Nun sind ja bekanntlich Westfalen und Bayern jene Volksgruppen, die bei der Wahrung ihrer altüberlieferten Rechte auch einmal zu unkonventionellen Mitteln greifen. Seit einiger Zeit nun kann man das Schild nicht mehr lesen. Was ist geschehen? Ein mutiger Westfälischer Katholiban hat das städtische Machwerk bei Nacht und Nebel (da bekommt das Wort "Dunkelkatholik" eine ganz neue Bedeutung!) schwarz überstrichen. Mit Ölfarbe? Nein, das wäre ja wieder Sachbeschädigung, s. o.  Eine dicke Schicht triefendschwarzen Altöls überdeckt dick und klebrig den lästerlichen Schriftzug. In diesem dezenten Schwarz paßt das Schild auch sehr viel besser zur gärtnerischen Gestaltung der Anlage und ihrer neugotischen Architektur. 
Den städtischen Amtseseln möge es zur Warnung dienen. Falls sie das Schild wieder blankputzen, könnte ich nicht dafür garantieren, daß die Einwohner Großentals ihrer himmlischen Gnadenmutter nicht doch mit der Eisensäge zu ihrem Recht verhelfen... 
Meinen Segen hätten sie.

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