Montag, 27. Oktober 2014

Wilhelm Anton macht sich Gedanken:

so manches Mal, meine lieben Diözesankinder, wenn wir von hier oben auf unser liebes kleines Vaterland hinunterschauen, müssen wir uns doch gar sehr verwunderen ob der neuen Zeiten und Zustände, so dort unbändig wüthen. Da hat nun unser jüngster Nachfolger für seine geistig totaliter darniederliegende Diöcese ein "Zukunftsbild" erstellt. Sicher, auch wir haben in unserer Amtszeit recht viele Verordnungen produzieret, aber zumeist zwang uns die politische Verwaltung unseres Fürstbisthumes dazu. Wenn wir uns aber nun dieses "Zukunftspapier" einmal genau anschauen, dann dürfen wir wohl mit vollem Rechte behaupten, daß wir immer in einer unserem Volke verständlichen Sprache geredet haben, damit sich die gemeinen Subjects auch nach unseren gnädigen Anordnungen sogleich richten konnten. 
Nun muß unser Nachfolger sein großes Bisthum trotz ungemeinen Priestermangels regieren, wie wir hörten. Und was thuen er und seine Cabinettssekretaire im sogenannten "Generalvicariat" (wie groß doch diese Behörde seit unserer Zeit geworden...)? Sie geben ein über 300 Seiten langes "Zukunftsbild" heraus, daß so langweilig und für das gemeine Volk unverständlich geschrieben ist, daß  niemand es freiwillig lesen resp. sich darnach achten werde. 
Wir wollen uns gewißlich nicht in die Angelegenheiten unseres Nachfolgers auf dem Stuhle des Hl. Hathumar einmischen, da dies nicht ziemlich sei, aber es wäre gewißlich besser gewesen, Ew. Gnaden Johannes Josephus hätten diese Unzahl Secretarii entlassen, daß ersparete Geld denen Armen zukommen lassen und hätten angeordnet, daß ein jedes getreues Diöcesankind ab sofort jeden Tag ein Pater noster, ein Ave Maria und ein Gloria patri zwecks Bestürmung des Himmels um würdigen Priesternachwuchs andächtig zu bethen sich bemühen solle. Denn wie man seit unvordencklichen Zeiten sicher weiß, hat solches Gebet schon oft Wunder gewirkt. Auch sollte man den Clerus wohl anweisen, in denen Minderstädten und Landgemeinden, so sie eine Pfarrkirche haben, gar oft daß Allerheiligste denen Gläubigen, seien es auch nur wenige, auszusetzen und eine Segens-Andacht in vorgedachtem Anliegen abzuhalten. Denn da der Himmel seinen Christenkindern schon alle Mittel gegeben, die sie zu ihrem Heile brauchen, so muß man nicht viele Seiten schreiben, die niemand versteht, und die nur denen Canzlei-Secretarii, so viel nützlicher arbeiten könnten, die Taschen füllen mit jenen Kirch-Zehnten, welche die Gläubigen dafür haben sauer aufbringen müssen. 
So verbleiben wir für heute in großer Sorge, aber doch in der Zuversicht, daß der Allmechtige Gott und unser treuer Schutzherr, St. Liborius, unsere Diöcese auch fürderhin nicht verlassen möge, auch wenn solche Schreiberlinge, wie vor genannt, sich mühen, auch noch denen letzten unserer lieben treuen Unterthanen den Hl. Glauben mit solchen Papieren auszutreiben.

Gott befohlen, Euer

+ Wilhelm Anton, durch Gottes Gnade Fürstbischof von Paderborn

P.S. Auch wir haben uns Gedancken über ein Zukunftsbild gemacht. Hier ist es:


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