Freitag, 26. September 2014

Pastoralvereinbarung Lichtenau

Nun hat auch der Pastoralverbund Lichtenau seine Pastoralvereinbarung. Das Schriftstück ist zwar schon vor zwei Jahren entstanden, dennoch wurde es erst jetzt feierlich (?) überreicht. Ich kann mir hier jedweden Kommentar fast gänzlich ersparen, denn Jürgen hat bereits einen sehr lesenswerten Artikel über dieses Dokument geschrieben. Dem auswärtigen Leser sei stattdessen hier als Ergänzung dargeboten, wie man einem seit Jahrhunderten funktionierenden Wallfahrtstage den Garaus macht. Der Annentag war ja schon einmal Thema...
Zur Geschichte Amerungens und seiner Kapelle findet man hier näheres. 
Der Annentag lief nun jahrhundertelang folgendermaßen ab:
Um 7 und um 8 Uhr ist Frühmesse in der Annenkapelle. Die theophorische Prozession zieht um 8 Uhr aus der Lichtenauer Pfarrkirche aus und geht nach Amerungen. Ebenfalls kommen Kleinenberg (bis 1935, danach sporadisch) sowie Husen (sporadisch) und Holtheim mit einer eigenen Prozession. Die Holtheimer Prozession geht ohne das Allerheiligste, sie wird vom örtlichen (Pfarr-)Vikar begleitet. Nach Eintreffen der Prozessionen wird der sakramentale Segen erteilt, das Allerheiligste wird auf dem Hochaltare in der Kapelle ausgesetzt und es folgt am Altar vor der Kapelle das Levitenamt als äußere Feier des Festes der Hl. Mutter Anna. Beim Einzuge der Prozessionen und beim Segen wird geböllert.
Nach dem Hochamt: Kirmestreiben an den diversen Buden, die etwa 100 Meter von der Kapelle entfernt sind. Gegen zwei Uhr Nachmittags zieht die theophorische Prozession nach Lichtenau zurück. Das Kirmestreiben geht weiter, die Gläubigen aus den anderen Orten verfügen sich selbständig zurück.
Dann kamen die 1960iger Jahre, und alles wurde besser...
Zuerst fiel die Frühmesse um 7 Uhr, dann die um 8 Uhr weg. Begründung: Es sollen sich alle Pilger um einen Altar versammeln und gemeinsam feiern; es sei auch unziemlich, daß unter dem Hochamt trotz Verbotes an den Buden Alkohol getrunken werde, da die Trinker ja schon in der Frühmesse waren etc., etc. 
Zeitgleich fiel die "Rückkehrprozession" am Nachmittage fort, der Heiland wurde stattdessen mit dem Auto wieder nach Lichtenau gebracht. 
Irgendwann wurde nach der Prozession auch der sakramentale Segen nicht mehr gegeben.
2011 wurde schließlich im Pfarrbriefe verkündet, daß ab sofort nur noch drei "Pilgerwege" von Lichtenau, Holtheim und Husen nach Amerungen ziehen würden, das Allerheiligste würde nicht mehr mitgenommen. Begründung im Pfarrbrief, um den schon gärenden Volksaufstand zu dämpfen:
-Prozessionen mit dem Allerheiligsten vor der Hl. Messe hat das Konzil (Anm.: welches, gab es nur eines?) verboten.
-Ein Priester allein kann das Allerheiligste nicht so weit tragen.
-Am Ende der Prozession wird kein sakramentaler Segen gegeben, deswegen ist die Prozession sinnlos. 
-Während des Hochamtes darf das Allerheiligste nicht ausgesetzt sein. 
-Jede Gemeinde im Pastoralverbund hat nur noch eine theophorische Prozession, da darf Lichtenau keine zweite haben.
Bitte verzeiht mir, aber einen solchen ausgemachten Käse habe ich nur selten gelesen! Dazu ist folgendes zu entgegnen:
-Das Konzil und auch seine Folgedokumente haben sich um die Prozessionen nicht gekümmert. Dem Konzil ist es schlichtweg "Wurst", wann wir Prozession gehen und den Herrgott mitnehmen.
-Alleine tragen? Nicht doch. Da war immer noch der Festprediger, diverse Gastpriester etc. Kein Pfarrer mußte den Herrn alleine 5 Kilometer tragen. Die Himmelträger mußten übrigens ihren Baldachin ohne Ablösung 5 Kilometer im schwarzen Anzuge mit steifem Kragen tragen. Sie haben nie gemurrt und das auch problemlos überlebt...
-Wenn nach der Prozession kein sakr. Segen gegeben wird, ist einzig der Zelebrant daran schuldig, nicht die Tradition und nicht die Gläubigen, denen der Segen vorenthalten wird.
-Niemand zwingt den Herrn Pfarrer, das Allerheiligste in der Kapelle (also sowieso nicht auf dem Zelebrationsaltar vor derselben) unter dem Hochamte ausgesetzt zu lassen. Das Gotteshaus verfügt über einen sauberen und ordentlichen Tabernakel. Es kann also reponiert werden. 
-Niemand im ganzen Pastoralverbund hätte den Lichtenauern diese Prozession mit dem Allerheiligsten auch nur ansatzweise geneidet. Sie gehört seit Jahrhunderten dazu. Besser hätte man die Gläubigen auch aus anderen Orten animiert, sich ihr anzuschließen.

Zurück zum besseren Heute: Nachdem die "Pilgerwege" angekommen sind, wird dann in weißen Messgewändern die Messe vom soundsovielten Sonntage im Jahreskreis gelesen. Über die liturgische Gestaltung des Amtes schweige ich jetzt hier lieber. Und das, wo es doch der Herr Pfarrer so genau nimmt, vor allem mit den liturgischen Vorschriften des letzten Konziles! Obwohl er sonst keine Verpflichtungen hat, werden die Holtheimer Gläubigen mit ihrer Prozession von ihrem zuständigen Seelsorger alleine und ohne geistliche Leitung auf den Weg geschickt. Sie müssen dann erleben, wie ihr durchaus sportlicher und gesunder Seelsorger fertig angezogen für die Messfeier in der Kapellentüre lehnt und sich das Treiben am Annenberge anschaut. Toll. Sowas nenne ich ein gutes Beispiel. Da kann es dann auch nicht helfen, wenn der Herr Pfarrer den Lichtenauer "Pilgerweg" (seit wann können Wege sich eigentlich fortbewegen?) mit Tüllrochett und Pfarrkragen (mit "Bömmelkes") begleitet. Wenn er sich schon korrekt anziehen will, dann soll er das Birett auch noch aufsetzen. Er kann aber auch in Zivilkleidung kommen. Wegen der "Ewiggestrigen" muß er sich nicht vergewaltigen und den "Bömmelkeskragen" in Gebrauch nehmen. Soviel liturgische Unordnung, wie sie die "Verbesserung" des Annentages gebracht hat, können Tüll und Bömmelkes nämlich auch nicht wiedergutmachen...
Etwas Statistik:
Besucher beim Annentage 1913: Bei 3000 hat man aufgehört zu zählen.
Besucher beim Annentage 2014: Mit 500 liegt man ganz gut. Der Großteil hat die sechzig überschritten, Kinder und Jugendliche sieht man nur in verschwindender Zahl. 
Wie sagte doch schon unser alter Kaiser Wilhelm II:
"HERRLICHEN ZEITEN FÜHRE ICH EUCH ENTGEGEN!"

Mir bleibt nur eines zu sagen:

HEILIGE MUTTER ANNA, BITTE FÜR UNS; WIR HABEN ES NÖTIGER, DENN JE!" 





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