Montag, 4. August 2014

Muslimischer Schützenkönig?

Ein Moslem darf in einem Dorf in Westfalen in den Schützenverein eintreten, er darf dort auch den Vogel abschießen und noch vieles mehr. Darf er das?
Nicht immer. Natürlich kann er das tun, wenn er einem normalen Bürgerschützenverein beitritt, der eine rein zivilrechtliche Vereinigung ist. 
Die meisten Schützenvereine aber sind in unserer Heimat entweder seit Jahrhunderten bestehende, katholische Schützenbruderschaften und /oder sie sind Mitglied im sogenannten "Bund der historischen Deutschen Schützenbruderschaften". 
Diese Vereine haben in jedem Falle eine Satzung, aus der klipp und klar hervorgeht, daß man überhaupt nur eintreten kann, wenn man Katholik ist oder zumindest einer anderen christlichen Religionsgemeinschaft angehört. Zumeist können nur Männer aufgenommen werden, oft gibt es verschiedene Vereine für Junggesellen und Verheiratete.
Die Schützenvereine sorgen nun selbst für das große Unheil: Wahllos nimmt man Moslems, Heiden und alle möglichen anderen Menschen in die Vereine oder Bruderschaften auf, obwohl man das aufgrund seiner eigenen Satzung und/oder der Satzung des Bundes der historischen Deutschen Schützenbruderschaften gar nicht dürfte. Der "Bund" bemängelt daß dann spätestens, wenn solche "Subjects" Schützenkönig werden und damit zu weiteren Schießwettbewerben auf Verbandsebene antreten wollen /sollen. 
Dann geht das übliche Theater los: Was der Verband denn wolle, der xy sei ein lieber Kerl, alle im Dorf mögen ihn doch, er habe sogar katholische Religion im Abitur belegt, man sei doch nicht mehr im Mittelalter, das gehöre schließlich zur Integration ausländischer Mitbürger, bla, bla, bla, bla.
Als Krönung kommt dann noch der Integrationsminister unseres Bindestrich-Landes daher und echauffiert sich auch noch über die mittelalterlichen Ansichten der Schützenverbände.
Liebe Schützen: schuld an dem ganzen Theater seid Ihr selbst, und sonst keiner!
Hört endlich auf, euch christkatholische Satzungen zu geben, wenn  Ihr Euch nicht daran halten wollt! Macht aus Euren Vereinen rein bürgerliche Organisationen ohne christliche Bindung, dann könnt Ihr vom Hottentotten bis zum Ho-Chi-Minh-Aktivisten alles und jeden in Euren Reihen aufnehmen und niemand in unserem demokratischen Land wird dagegen die Stimme erheben (können) und auch ich werde es nicht tun. Aber lauft nicht heuchlerisch hinter Fahnen mit der Aufschrift "Glaube Sitte Heimat" und katholischen Patronen darauf her und handelt nicht danach! Dieses ganze religiöse Zierwerk, daß sich die allermeisten Schützenvereine noch geben, ist das Papier nicht mehr wert, auf dem es steht.
Eines noch vorweg: Ich bin selbst Schützenbruder, und bin es immer gern gewesen und mache seit Jahren auch Vorstandsarbeit.
Wohlgemerkt: Ich bin ein großer Verteidiger uralter Satzungen, bin gegen Andersgläubige und Frauen im Schützenverein und halte eine katholische Satzung und eine Verankerung des Vereins in der Heiligen Römischen Kirche für absolut erstrebenswert. Aber wenn man das alles nicht so halten will, dann soll man bitte konsequent sein und sich nicht einen christlichen Anstrich geben, der nach fauler Ökumene stinkt!

Kommentare:

  1. Elisabeth Stelzer5. August 2014 um 19:42

    Und bei der Schützenmesse geht der neue Schützenkönig Muslim hin oder her
    auch gleich mit zur Kommunion ganz im Sinne der Integration

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  2. Therese Neubarth6. August 2014 um 14:49

    Solange ich auf jeder Fronleichnamsprozession die Alkoholfahnen der Baldachin-Träger rieche, die mit verquollenen Augen den Restalkohol vom Schützenfest am Vorabend herausschwitzen, aber sofort mit Prügel drohen, wenn man vorschlägt, dass vielleicht der Baldachin besser von regelmäßigen Kirchgängern in nüchternem Zustand getragen werden sollte, kann mir niemand erzählen, dass "Glaube" und "Sitte" jemals ernstgenommen worden wären. Jeder Moslem ist mir als Schützenkönig lieber als solche "katholischen Traditionen", die nichts anderes sind als eine Beleidigung Jesu Christi.

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  3. Liebe Frau Neubarth,
    traurig, daß Sie in Ihrem Ort diesbezüglich schlechte Erfahrungen machen müssen. Der beschriebene Zustand scheint tatsächlich übel zu sein. Aber nicht überall trägt der Schützenverein den Himmel, nicht überall ist Fronleichnam gleichzeitig Schützenfest, und nicht überall sind die Schützen bei der Prozession besoffen. Man darf deshalb nicht sogleich das ganze Schützenwesen infrage stellen. Nur weil ich ein Sünder bin, ist ja auch nicht die ganze Kirche ein sündhaftes Wesen.

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    1. Bei uns sind die Schützen auch erst NACH der Prozession besoffen.

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  4. Nun gibt es aber keinen vernünftigen Grund gegen Andersgläubige im katholischen Schützenverein, jedenfalls hast du keinen genannt.

    Ich denke, das Dilemma ist die unzeitgemäße Verquickung von Glauben und Heimatverbundenheit. Schützen sind ja so eine Art Heimwehr, die das eigene Dorf und die eigenen Familien im Falle des Falles verteidigen sollen. Es macht Sinn, dass da keine Fremden aufgenommen werden, weil sie nicht die Motivation desjenigen mitbringen, der Haus und Hof gegen Eindringlinge verteidigt.
    Früher war die Konfession dafür ein brauchbares Kriterium. Protestanten sind im katholischen Dorf nunmal eine Minderheit und man muss damit rechnen, dass sie im Ernstfall zu den Schweden halten und auf sie kein Verlass ist. Deshalb wollte man sie nicht haben. Moslems kamen sowieso nicht in den Blick, die waren natürlich per se Fremde.

    Der Glaube war also ein gutes Unterscheidungsmerkmal, um in der Satzung festzuschreiben, dass nur Leute von hier und keine Auswärtigen an die Waffen des Dorfes gelassen werden sollten. Eine weiter gehende, religiöse Bedeutung für die Schützenidee hatte der christliche Glaube auch früher nicht, er war halt ein praktisches Zugehörigkeitsmerkmal, wie anderswo Hautfarbe oder Sprache, mehr nicht. Darüber hinaus gehende Beteuerungen waren früher genauso aufgesetzter und pathetischer Unfug wie heute, und das wussten die Leute natürlich auch. Besonders fromme Christen oder sowas waren die Schützen nie.
    Heute ist der Glaube kein Kriterium mehr für Heimatverbundenheit, weil alles durchmischt ist und die Religion sozial keine große Rolle spielt, zumal im säkularen Gemeinwesen. Deshalb funktioniert das auch nicht.

    Die bodenständige Solidarität der Schützen vor Ort, denen es wichtiger ist, dass der Mann zu ihnen gehört und im Dorf beheimatet ist, dürfte ein ganz ursprünglicher Schützeninstinkt sein, der dem eigentlichen Kern des Schützenwesens entspricht und sich daher vermutlich auch durchsetzen wird.
    Von außen aufgesetzte oder hineingetragene Kriterien wie Konfessions- oder Religionszugehörigkeit haben keine Chance, auch wenn sie vllt. noch eine Weile von besonders "traditionsbewussten" Vertretern der Gilde verteidigt werden. Das liegt daran, dass es bloße Ideologie ohne echte Substanz ist. Der Ausschluss Andersgläubiger hat keine reale Basis mehr, die er früher hatte, weil Andersgläubige natürlich Fremde waren. Da Schützen Männerbünde sind und ein klares Empfinden für Authentizität, Echtheit, Direktheit und Aufrichtigkeit pflegen, spüren sie diese aufgesetze und unechte Ideologie und lehnen sie ab.

    Das war auch früher nicht anders. In Gebieten, wo es tatsächlich verschiedene religiöse Gruppen gab, die in der Heimatverteidigung kooperierten, waren Glaubensfragen auch damals schon zweitrangig.

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    1. Warum kann man nicht einfach akzeptieren, daß es katholische Vereine gibt und diese nur Katholiken aufnehmen.

      Ich weiß z.B. nicht ob der Bund Moslemischer Pfadfinder Andersgläubige aufnimmt. Ich weiß auch nicht ob der Bund jüdischer Soldaten Andersgläubige aufnimmt. Ich weiß auch nicht ob…

      Aber da darf man nicht mecker… die haben ja nichts mit Kirche zu tun und nur dagegen ist Meckern Volkssport.

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