Freitag, 11. April 2014

Palmsonntag

Ich werde mich heute einmal ganz bewußt wieder in die Brennesseln setzen. 
Zunächst einige Bilder:



Hübsch anzusehen, nicht wahr? Der Palmsonntag ist in den letzten Jahren sehr beliebt in Kindergärten, Grundschulen und Kommunionkindergruppen. Man trifft sich allerorten und bastelt "Palmstöcke" mit den Kindern. Die obigen Bilder zeigen einige dieser Palmbunde aus verschiedenen deutschen Landstrichen. Gerade in den süddeutschen Provinzen hegt da jeder Landstrich, oftmals jeder Ort, seine ganz eigenen Traditionen und pflegt sie auch löblicherweise.
Ganz anders und viel schlichter ist es hier in Westfalen. Das hiesige Palmbund sieht nämlich eigentlich so aus:
Die ortsüblichen Unterschiede hier in Westfalen sind schnell aufgezählt:
-nur Palmzweige (Weidenkätzchen)
-Palmzweige mit Buchsbaum
-nur Buchsbaum
-Palmzweige oben und unten zusammengebunden, in der Mitte ein oder mehr hartgekochte Eier.
-Einige andere, nur in sehr wenigen Orten vorkommende Sonderformen.

Statt nun diese westfälische Tradition zu pflegen, werden in fast allen Dörfern seit einigen Jahren die "Dekotanten" aktiv, die irgendetwas schönes im Fersehen oder im Internet erspäht haben und es nun, unterstützt durch Geistlichkeit, Lehrpersonen, Gemeindereferenzwesen, Pastoralassistenten, Kindergärtnerinnen etc. pp., gnadenlos basteltechnisch in die schlimme Tat umsetzen. Den Kindern kann man nichts vorwerfen, sie haben Freude am "Palmstöcke-Basteln". 
Nochmals in aller Deutlichkeit: Ein Palmbund hat grundsätzlich so auszusehen, wie es in dem entsprechenden Orte oft schon seit Jahrhunderten üblich war. Das und nur das, ist aktive Pflege örtlichen Brauchtums.
Was bei anderen Kreativbasteleien herauskommt, ist ein schlimmer Abklatsch artfremder Bräuche anderer deutscher Volksstämme, und nichts anderes. 
Im Schwarzwald und in Bayern käme schließlich auch niemand auf die Idee, sich ein westfälisches Palmbund zu basteln. 
In diesem Sinne:
Einen besinnlichen Palmsonntag und eine gnadenreiche Karwoche!

Kommentare:

  1. Ganz Westfalen nur diese Palmbunde? Nö, das Münsterland ist da reicher an Palmstocktraditionen. Zeig mir deinen Palm und ich sag dir woher du kommst (Sprichwort)

    *http://www.museum-telgte.de/pages/weiter_top4.html Vreden
    *http://www.derwesten.de/img/incoming/origs4558721/6989248173-w656-h240-bF3F3F3-st/38370173-543x199.jpg Anholt
    **http://photos-h.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-prn1/t1.0-0/c0.59.720.421/s480x480/215858_10150157176861143_7564311_n.jpg nochmal Anholt
    **https://mbasic.facebook.com/175511586142/photos/a.10150157176691143.283988.175511586142/10150157177046143/?type=1&source=49&refid=17 drittes Mal Anholt


    Recht geben muss ich dir was die Basteltanten angeht. Man schicke sie dahin wo der Pfeffer wächst. Besser man überliesse das Palmstock anfertigen den Heimatvereinen und zwar konkurrenzlos. Die verstehen nämlich was davon ;.)

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  2. Es ist wohl war, daß al­ler­lei frem­dartige Bräuche im­por­tiert wer­den, weil es un­er­leuchtete Menschen gibt, die mein­en, daß das doch „so schön“ ist. Sie basteln dann mit den Kindern, die das doch „so gerne“ machen und „so viel Spass“ dabei haben.

    Im Großen passiert sowas dann, wenn gan­ze Feste (z.B. Hal­loween) im­por­tiert wer­den, im Klein­en fängt es bei Palmbuschen an.

    In West­falen sind sol­che Dinge dann auch nicht wieder weg zu bekom­men. Wenn es er­st­mal dreim­al so gemacht wurde, dann ist es zu ein­er „(al­ten) Tra­di­tion“ ge­worden. Haben die Dinge noch länger über­lebt, dann wurde es „schon im­mer so gemacht“.

    @Anonym
    Nunja, das Münsterland …

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  3. Ich habe nochmal über "früher" d.h. die 70/80er Jahre nachgedacht, wie es da bei uns im Sauerland war. Es gab fast ausschließlich Palmzweige in Form eines Bundes Buchsbaum.
    Ein Bauer jedoch machte es anders, und ich vermute, daß das möglicherweise eine ältere Form war. Er machte einen Stock aus einem dicken Bund Weideruten(??) aus denen in der Mitte an einem Ende ebenfalls aus Weidenruten gemacht, ein Kreuz hervorschaute. Drumrum war etwas Buchsbaum. Insgesamt bestand er also aus viel Holz und wenig Grün.
    Später wurden die Ruten in Stücke geschnitten und dann wurde „gepälmt“, d.h. an die Ecke der Felder wurden aus diesen Stücken kleine Kreuze an die Zaunpfosten o.ä. genagelt. Dazu wurde ein Vaterunser gebetet. Soweit ich weiß, wurde immer am ersten Ostertag gepälmt

    Ein paar Hintergrundinformationen, in denen auch auf verschiedene Formen der Palmzweige eingegangen wird, gibt es im Internet .in einem, Bericht beim LWL

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  4. Therese Neubarth6. August 2014 um 14:54

    > Nochmals in aller Deutlichkeit: Ein Palmbund hat grundsätzlich so auszusehen, wie es in dem entsprechenden Orte oft schon seit Jahrhunderten üblich war. Das und nur das, ist aktive Pflege örtlichen Brauchtums.

    Mit anderen Worten: Diejenigen, die das ortsübliche Brauchtum entwickelt haben, hätten es niemals entwickeln dürfen, denn sie hätten sich ja an das halten müssen, was zuvor schon ortsüblich war. Alle heute ortsüblichen Bräuche hätten also nach dem Gesetz des ortsüblichen Brauchtums nie entstehen dürfen... Warum sollen sie dann bestehen bleiben??

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