Dienstag, 21. Januar 2014

Krippenfiguren zerschlagen

Vandalismus in unseren Kirchen ist "offiziell" kein Thema, so hat man den Eindruck. Die Presse, so sie denn überhaupt berichtet, tut dies zumeist in verschämter Kürze und möglichst ohne Bilder. Eine halbe Seite weiter wird aber zeitgleich in großer Aufmachung berichtet, daß Otto Dosenbrot die schnellste Brieftaube in der Taubenfluggemeinschaft "Lahme Ente" hat.

Selbst auf dem Lande ist aber mittlerweile keine Kirche mehr vor Vandalismus und Diebstahl sicher. Auch auf dem Dorfe ist man immer wieder erstaunt, welche Erziehungsdefizite die Jugend in dieser Hinsicht aufweist. Über das Phänomen gesprochen wird nicht. Selbst wenn die Täter ermittelt werden, setzt sich eine üppige Vertuschungs- und Verharmlosungsmaschinerie in Gang. Die Taten werden kleingeredet, eine Bestrafung erfolgt, wenn überhaupt, nur in lächerlichem Maße. Polizeiliche Anzeigen werden zurückgezogen oder garnicht erst gestellt.
Mein Mitleid hält sich in Grenzen, denn die Kirchengemeinden machen dabei munter mit. Es kann nicht sein, was nicht sein darf, und so  spricht man nicht darüber. Werden Kirchen renoviert, wird unter der Orgelbühne ein Gitter angebracht, das außerhalb der Gottesdienste den weiteren Zutritt verwehrt. Der Vandalismus beschränkt sich dann auf diesen noch zugänglichen Bereich. Ohne ständige Aufsicht (oder anwesende Beter!) kann man keine Kirche mehr tagsüber offenhalten.
Warum ich das schreibe?
Nunmehr hat es die Pfarrkirche St. Dionysius in Sandebeck (Hochstift Paderborn) "erwischt". Vandalen sind in die Kirche eingebrochen und haben die etwa hundert Jahre alten Krippenfiguren zerschlagen. Die Berichterstattung ist wie immer dürftig, über jeden Blechschaden mit überfahrener Wildsau wird üppiger geschrieben.
Nur eine Zeitung bringt überhaupt ein Bild. 
Traurig.

Kommentare:

  1. Auch wenn ich sonst keine großer Freund unserer Journaille bin ... "medienpsychologisch" kann das im individuellen Fall sinnvoll sein, solche Vandalismen nicht allzu groß rauszuhängen, da eine umfassende Berichterstattung einerseits den Tätern eine nachträgliche Genugtuung verschafft (unter anderem, wenn die "Leistung" dann auch noch besonders imaginiert wird) und andere ähnlich gelagerte Gestalten animiert, "auch mal sowas zu machen".
    Gerade im Lokaljournalismus neigt(e) man deswegen gerne dazu, Vandalismus nicht noch mit jener "höheren Weihe" nachträglich auszustaffieren, daß darüber lang und breit berichtet wird. Das gilt auch für Schierereien und Sachbeschädigungen außerhalb von Kirchen.

    Vereine sind übrigens für Lokalzeitungen höchst wichtig (Leser-Blatt-Bindung) ... ;-)

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  2. Will man über derlei Dinge informiert sein, so sollte man nicht in die Zeitung gucken, sondern regelmäßig die Polizeipresse lesen oder per RSS-Feed abonieren.

    Wenn man die offizielle Polizeimeldung mit der Meldung im Volksblatt vergleicht, stellt man übrigens fest, daß sich der Redakteur bei der Zeitung nicht viel Arbeit gemacht hat, sondern einfach den Text übernommen hat.
    Möglicherweise hatte er noch ein kleines Eckchen frei. In der Printausgabe von heute (Paderborner Ausgabe) ist übrigens kein Bild drin.

    -> Pol-Hx Vandalen in der Kirche. Krippenfiguren zerschlagen

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