Dienstag, 1. Oktober 2013

Heiliges Grab

Eigentlich scheint dieser Beitrag nicht so recht in die Jahreszeit zu passen. Schließlich ist es bis zur nächsten Karwoche noch lange hin. Aber man braucht ja für Projekte etwas Vorlaufzeit...
Genug des Rätselratens.
Vor einigen Tagen war ich mit anderen bei einem guten Freund zum Kaffeetrinken eingeladen. Nach der "Kalorienschlacht" widmeten wir unsere Neugier seiner mit allerhand landwirtschaftlichem Gerät  vergangener Zeiten angefüllten Scheune. In der hintersten Ecke standen etliche sehr große Kulissenteile mit Löchern. Einige Inschriften wurden sichtbar und auch ein Gemälde gab es noch.
Eindeutig ein Heiliges Grab! Verwundertes Nachfragen ergab, daß die Kirchengemeinde irgendwann in den für Brauchtum so gefährlichen Jahren um das letzte Konzil das Grab hier abgestellt und seither schlichtweg "vergessen" hatte. Immerhin, es ist noch da und teilte nicht das Schicksal tausender anderer Heiliger Gräber, die man kurzerhand in Flammen aufgehen ließ.
Der jüngeren Generation ist so ein Heiliges Grab überhaupt kein Begriff mehr, also will ich einmal einen Erklärungsversuch starten.

Ausgangspunkt sind die kirchlichen Rubriken:
Am Gründonnerstag wird nach dem Hochamt das Allerheiligste "auf einem Seitenaltare verwahrt". Das in der Karfreitagsliturgie verehrte Kreuz soll auf der Evangelienseite des Hochaltares bzw. an anderer geeigneter Stelle den Gläubigen zur Verehrung dargeboten werden.
Das läßt sich nun ausschmücken:
Heilige Gräber sind zumeist hölzerne Kulissenaufbauten, die vor einem Seiten- oder aber direkt vor dem Hochaltar aufgebaut werden. Sie haben einen Aussetzungsthron, auf dem ab Gründonnerstag das Allerheiligste in der mit einem weißen Schleier verhüllten Monstranz ausgesetzt ist. Es gibt auch Ausführungen mit Tabernakel für das Ziborium. Im unteren Bereich (oft in eine Altarmensa bzw. deren Stipes integriert) befindet sich eine Nische, in der ab Karfreitag ein Grabeschristus gezeigt werden kann. In der Osternacht wechselt das Bild: Der Grabeschristus verschwindet oder wird durch Kulissen verdeckt, anstelle der Monstranz erscheint eine Figur oder ein Bild des Auferstandenen.
Außer dem Aussetzungsthron für das Allerheiligste und der Figur des im Grabe ruhenden Christus ist fast nichts "zwingend" vorgegeben, es gab unzählige Variationen bei den Aufbauten. In die Löcher der Aufbauten stellte man Glaskugeln mit buntem Wasser, hinter die man Öllämpchen oder Kerzen stellte, die das Licht reflektierten. Zu beschreiben ist das alles nur sehr schwer.
Das hier beschriebene Heilige Grab kommt unserem "Fundobjekt" schon recht nahe:

Lauffen bei Bad Ischl:
http://www.dioezese-linz.at/redaktion/index.php?action_new=Lesen&Article_ID=42695

Etwas ganz besonderes ist dieses Heilige Grab:
Iffeldorf:
http://www.stvitus.de/html/bilder.html

Man gebe einmal in einer Suchmaschine "Heiliges Grab" ein: Eine verblüffende Vielfalt schönster Volkskunst tut sich da auf. In vielen Gemeinden wurden in den letzten Jahren die Gräber wieder hervorgeholt. Oft bedarf es nur eines kleinen Anstoßes. Vielleicht wird ja auch unsere "Fundsache" einmal aus ihrem traurigen Scheunendasein erlöst, wer weiß? 


1 Kommentar:

  1. Hier in der Gegend gibts auch was dazu: http://prospesalutis.blogspot.de/2013/10/noch-ein-heiliges-grab.html

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