Freitag, 6. September 2013

Im Kampf um die Bekenntnisschule

Schon zweimal in der Geschichte wollte man der katholischen (bzw. evangelischen) Bekenntnisschule "an den Kragen": Nach dem 1. Weltkrieg konnte das Drama ihrer Abschaffung dank massiver Proteste von Episkopat und Volk abgewandt werden; unter Hitler gelang das nicht mehr. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurde die Bekenntnisschule in NRW wieder eingeführt. Seit der Schulreform gibt es den Status nur mehr für die Grundschulen (außer bei Privatschulen).

Zum Paderborner Vorfall:
Ich begrüße die Entscheidung des Schulleiters und der Gerichte ausdrücklich. Die katholische Bekenntnisschule ist ein nicht hoch genug einzuschätzendes Gut.
Aber:
In besagter Grundschule sind über 40 Prozent der Kinder nicht katholisch. Warum wird dieses eine dann nicht auch aufgenommen?
Ganz einfach: Die Eltern müssen nach dem Gesetz unterschreiben, daß ihr Kind in der Bekenntnisschule zwingend am katholischen Religionsunterricht und an den Gottesdiensten teilnimmt. Das tun die Eltern auch. Die Kinder werden anschließend durch die Schule natürlich nicht in den kath. Religionsunterricht bzw. die Hl. Messe gezwungen. Die meisten Schulgottesdienste sind heute sowieso nur interreligiöses BlaBla. Und genau diese beschriebene Praxis an den katholischen Schulen gehört an den Pranger und ist keinesfalls tolerierbar. Das muß sich auch der besagte Schulleiter vorwerfen lassen. Er erntet nun die Früchte jahrelanger religiöser Indifferenz und falscher Toleranz.
Der muslimische Vater wollte die oben genannte Unterschrift nicht leisten, sondern eine Grundsatzentscheidung erzwingen. Das ist ebenfalls nicht tolerierbar.
Wer ist unnötigerweise der Leidtragende bei diesem Gezänk? Das Kind. 

Hätten die katholischen Bekenntnisschulen in den letzten Jahrzehnten wirklich treu zu ihrem Bekenntnis gestanden und konsequent katholisch gehandelt, könnte es heute nicht zu diesen Protestationen kommen. Ich frage mich übrigens, warum in Paderborn Geistlichkeit und Erzbischof wieder einmal schweigen. Ich wünschte mir für Geistlichkeit und katholisches Volk den Kampfesmut, den die Katholiken einstmals gegen bolschewistische und nationalsozialistische Feinde der Bekenntnisschule aufgebracht haben. Der heutige Feind ist nämlich nur zu oft nicht weniger harmlos, zumal mittlerweile die Gesellschaft von liberalen Vorstellungen durchseucht ist und eine katholische Schule, die nicht nur diesen Namen trägt garnicht mehr will.
Die Begründung des Vaters, sein Junge habe alle Freunde aus dem Kindergarten an eben dieser Schule, ist Quatsch: Wir alle mußten uns bei der Einschulung an neue Leute gewöhnen. Die nächste konfessionsfreie Grundschule liegt drei Kilometer entfernt, was der Vater für unzumutbar hält.
Wie bitte? Seit den frühen siebziger Jahren schließt die SPD-Regierung in NRW sämtliche Dorfschulen und kutschiert die Kinder unter teils menschenunwürdigen Bedingungen kilometerweit in zentrale Schulen. Wenn die Dorfkinder das aushalten, werden die Stadtkinder wohl nicht daran sterben. Wenn schon sozialistische Gleichschaltung, dann bitte für alle. Das nur so nebenbei.

Kommentare:

  1. Erzbischof Becker hat kürzlich in einem Zeitungsinterview dazu Stellung genommen.

    AntwortenLöschen
  2. Ein Gericht hat endgültig entschieden und was kommt dabei raus? Die im Prozess unterlegenen Eltern manche öffentlich Rabatz. Der Vater meint gar, das Gericht belehren zu müssen, daß es mit der Entscheidung Verfassungsbruch begangen habe.
    Mir war von Anfang an klar, daß es keine Ruhe geben wird, selbst wenn die Gerichte entscheiden.
    Erst wenn der Vater seinen Kopf durchgesetzt hat, wird er Ruhe geben.

    AntwortenLöschen
  3. @Arminius: Diese "Stellungnahme" kannte ich. Ich hätte mir allerdings von einem Erzbischof etwas deutlichere Worte gewünscht. Aber wahrscheinlich wollen die Exzellenzen alle nicht so enden wie ihre Mitbrüder in Augsburg und Limburg. Menschenfurcht ist ein schlechter Berater.
    @Jürgen: Da gebe ich Dir recht. Man wird nun solange keine Ruhe geben, bis man die Bekenntnisschule in NRW endgültig abgeschafft hat. Ich möchte wetten, daß es keine Woche mehr dauert, bis die Verantwortlichen einknicken und der Bengel auf die gewünschte Schule darf.

    AntwortenLöschen
  4. Der "Begel" hätte ja zu der Schule gehen können. Die Schule hatte eine Ausnahmeregelung (wie sie die Tochter auch hat) angeboten, die der Vater abgelehnt hat. Leider wird das teils auch in dem Medien (etwa WDR) falsch dargestellt. Der Vater wollte aber keine Ausnahmegenehmigung, sondern eine grundsätzliche Entscheidung. – Die hat er nun.

    Aber das Thema ist noch nicht vom Tisch. Im Lokalradio kam die Meldung:
    »Der vorläufige Höhepunkt des Paderborner Schulstreites ruft die Opposition auf den Plan. Nach der Ablehnung eines muslimischen Jungen an der katholischen Bonifatiusschule fordert sie Konsequenzen. Die SPD will dringend das Schulgesetz ändern. Die Paderborner Grünen wollen einen Runden Tisch einrichten. Und die Demokratische Initiative weist darauf hin – laut Oberverwaltungsgericht könnten auch Stadträte eine Schulart ändern.«

    Ich persönlich bin ja der Meinung, daß die Kirche einmal grundsätzlich überlegen sollte, ob wir diese Art der Schulen brauchen. Der Religionsunterricht ist in den Schulen vermutlich auch nicht besser als an staatlichen Schulen. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder solchen Stress, wie in diesem Fall oder natürlich auch wegen Punkten des kirchl. Arbeitsrechts.

    Es wäre doch mal eine Überlegung, wenn sich heute der Bischof hinstellen würde und verkünden würde: »Mit Beginn des nächsten Schuljahres ziehen wir uns aus der Schullandschaft zurück und geben die Trägerschaft aller Schulen auf. Das Land NRW bzw. die Städte mögen sie übernehmen oder es möge sich ein andere Träger finden.«

    Vermutlich wir der Staat/Land/Gemeinde dann wieder mal nicht Träger sein. Dann wird wieder irgendein priv. Träger gesucht. Teilweise springen dann andere Religionsgemeinschaften ein…

    AntwortenLöschen
  5. Hm, so ganz darf sich die Kirche nicht aus dem Schulwesen zurückziehen. Man beachte Abschnitt 8 im Dekret "Gravissimum educationis" des ja so hochgepriesenen letzten Konzils. Es scheint mir zu den Dokumenten zu gehören, die niemals jemand gelesen hat...

    AntwortenLöschen
  6. Halli Hallo ich kann nicht müde werden, Missstände anzuprangern. Wieder einmal sagte mir eine behinderte Wohnheimbewohnerin, dass sie mit 10 Euro Taschengeld abgespeist wird und so weiter und so fort. Sämtliche sachlich weiter ausgeführte Erläuterungen werden hier stets gelöscht. Trotzdem trete ich euch weiterhin auf die Füße, bis ihr solchen Unsinn lasst, bei der Erneuerung der Heizungsanlage in einer Kirche überflüssigerweise 85.000 Euros für einen neuen Altar zu verschwenden und dafür Gelder aus Wehrlosen rauszupressen. Was kostet nochmal so ein Heimplatz im Monat? Was bekommen die Bewohner dafür? Wo bleibt das Geld? Den groooßen Rest meine ich? Hä? Sag ma, los!

    AntwortenLöschen
  7. Lieber Herr "Anonym", haben Sie schon einmal über die jedem Menschen offenstehende Möglichkeit nachgedacht, einen eigenn "Blog" zu eröffnen? Dort können sie dann Ihre offensichtlich nicht immer von Sachkenntnis geprägten Ansichten über Gott und die Welt unter das gläubige Volk bringen. In diesem Blog allerdings werde ich nach wie vor alle Kommentare, die am Thema vorbeigehen oder andere Menschen beleidigen, gnadenlos löschen.

    AntwortenLöschen
  8. Sehr geehrter Sursum corda,

    ich erlaube mir, mit etwas Verspätung auf ein paar Fehler bzw. Unstimmigkeiten im Artikel hinzuweisen:

    1) "Seit der Schulreform gibt es den Status nur mehr für die Grundschulen (außer bei Privatschulen)."
    Falsch: Es gibt nach wie vor auch Bekenntnis-Hauptschulen, allerdings wurde hier die Umwandlung mit der Schulreform wesentlich erleichtert.
    2) "In besagter Grundschule sind über 40 Prozent der Kinder nicht katholisch"
    Richtig ist: Im vergangenen Schuljahr waren dort sogar ca. 57,5% der Kinder nicht katholisch.
    3) Sie schreiben: "Der muslimische Vater wollte die oben genannte Unterschrift nicht leisten, sondern eine Grundsatzentscheidung erzwingen. Das ist ebenfalls nicht tolerierbar."
    Das könnten Sie auch der afro-amerikanischen US-Bürgerin Rosa Parks vorwerfen, die gegen die Rassentrennung protestierte, indem sie auf einem für Weiße reservierten Platz sitzenblieb. In der Folge wurde die Gesetzgebung zum Glück geändert. Nicht tolerierbar? In seinem Eilentscheid im August 2013 hat das VG Minden übrigens die Politik aufgefordert, die Gesetze zu ändern: "Letztlich ist es vorrangige Aufgabe der politischen Entscheidungsträger, gesetzliche Bestimmungen ggf. dem gesellschaftlichen Wandel anzupassen und die Normen mit der Wirklichkeit wieder in Einklang zu bringen."
    4) Sie schreiben: "Die Begründung des Vaters, sein Junge habe alle Freunde aus dem Kindergarten an eben dieser Schule, ist Quatsch: Wir alle mußten uns bei der Einschulung an neue Leute gewöhnen"
    Da haben Sie wohl Recht, diese Einschätzung ändert aber nichts daran, dass alle anderen Kinder aus dem Kindergarten des Jungen an diese Schule wechseln durften.

    Erzbischof Hans-Josef Becker hat übrigens in diesem Fall eine andere Meinung als Sie, er hat sich im Dezember noch einmal dazu geäußert: http://aktuell.evangelisch.de/artikel/90708/erzbischof-becker-bedauert-verfahren-um-ablehnung-von-muslimischem-schueler

    @Juergen:
    1) Es ist noch keine endgültige gerichtliche Entscheidung im Hauptsacheverfahren gefallen, bisher kam es lediglich zu Eilentscheiden.
    2) Die Kirchen sind nicht Träger der hier verhandelten öffentlichen Bekenntnisschulen und tragen auch nicht zu ihrer Finanzierung bei, insofern würde sich an den Schulen und für die Kommunen in der Tat fast nichts ändern, wenn sie von heute auf morgen zu Gemeinschaftsschulen würden.

    Ansonsten kann ich Ihrer beider Anliegen nachvollziehen, dass, wo katholisch drauf steht, auch katholisch drin sein sollte. Nicht verstehen kann ich allerdings, warum der Staat Bekenntnisschulen tragen und vollständig finanzieren soll.

    AntwortenLöschen
  9. "Nicht verstehen kann ich allerdings, warum der Staat Bekenntnisschulen tragen und vollständig finanzieren soll."

    Ganz einfach, warum er das soll:
    Weil es die vornehmste Pflicht eines Staatswesens ist, dafür Sorge zu tragen, daß ausschließlich die heilige katholische Religion als jene, die die alleinseligmachende Wahrheit verkündet, in allem gefördert und unterstützt wird.

    AntwortenLöschen
  10. "Weil es die vornehmste Pflicht eines Staatswesens ist, dafür Sorge zu tragen, daß ausschließlich die heilige katholische Religion als jene, die die alleinseligmachende Wahrheit verkündet, in allem gefördert und unterstützt wird."

    Achso, diese Seite ist Satire - da bin ich doch glatt drauf reingefallen. Gut gemacht, herzlichen Glückwunsch!

    AntwortenLöschen