Mittwoch, 22. August 2012

Meinolphustag in Böddeken

Am letzten Sonntag im August wird in Böddeken das Weihefest der Meinolphuskapelle begangen. Sie steht unweit des säkularisierten Augustiner-Chorherrenklosters Böddeken, ursprünglich als Frauenkloster eine Stiftung des Heiligen. Vor der Kapelle stand bis vor Jahren jene mächtige Linde, unter der nach der Überlieferung der Hl. Meinolphus das Licht der Welt erblickte. Alter und Sturm ließen sie zusammenbrechen. Der Stumpf allerdings schlug wieder aus und schon wölbt sich wieder eine stattliche Linde vor der kleinen Kapelle mit ihrer nun schon seit Jahrzehnten unbewohnten Einsiedelei.
Der heute zu Unrecht fast vergessene "Dichterpfarrer" Ferdinand Heitemeyer, Ende des 19. Jahrhunderts lange Jahre verdienter Pfarrer von Oesdorf, hat uns dieses Gedicht über die Meinolphuslinde hinterlassen:






Die Meinolphuslinde bei Böddeken
von Pfarrer Ferdinand Heitemeyer

Fest in Bergesgrund gewurzelt prangt im engen Talgewinde
Schon seit mehr denn tausend Jahren St. Meinolphus heil'ge Linde,
Und aus ihren Riesenästen, die das morsche Haupt umragen,
Flüstert sie dem stillen Wandrer von den einst durchlebten Tagen:
Als mit meines Frühlings Zweigen freundlich noch die Lüfte kosten,
Floh aus ihren reichen Burgen, wo des Feindes Waffen tosten,
Wichtrud, eine schöne Perle von Westfalens edlen Frauen,
Und in meinem dichten Schatten schaut sie in die sanften, blauen
Augen ihres Herzenskindes, das der güt'ge Gott soeben
Ihr zum Troste und zur Wonne und der Welt zum Heil gegeben.
Unter meinem Laubdach sproßte, betete der fromme Knabe,
Den der große Kaiser Karol grüßt als hohe Himmelsgabe,
Den er in dem Bad des Lebens "Meinolph" - meine Hülfe - nannte,
Da er mit Prophetengeiste ihn als Kirchenlicht erkannte.
Rings die Haine sah ich fallen, wo die Opfer Wodans rauchten,
Wo zum Preis der falschen Götzen Menschen selbst ihr Blut verhauchten,
Sah Meinolphus in Verzückung, sah ihn einen Tempel bauen
An dem Ort, den Gott erkoren in den grünen Wiesenauen.
Bald mit gottgeweihten Jungfrau'n füllten sich die Klosterzellen,
Die zum Preis des Allerhöchsten von den zarten, silberhellen
Chorgesängen widerhallten. - Fehden brausten wild und mächtig,
Auch in Meinolphs stillem Tale. Ach, das Kloster, einst so prächtig,
Stand, ein stummes Bild der Klage, trauernd, öde, halb zerfallen,
Wild Gesträuch und Schlinggewächse rankten in den Bogenhallen.
Doch mit frischem Mute zogen, wie's gemahnet Gottes Finger,
In die kaum verwaisten Mauern fromme Augustinusjünger,
Flehten zu dem heilgen Werke, kniend unter meinen Ästen,
Mut und Kraft und Gottvertrauen bei Sankt Meinolph's Überresten.
Viermalhundert Blütenjahre drangen aus des Tempels Chore
Heil'ge Sänge, Orgelklänge geisternd her zu meinem Ohre. -
Leer stand wieder Kirch' und Zelle, weil die Mönche fortgetrieben,
Von Meinolphus Waldkapelle waren Trümmer nur geblieben.
Doch nach andern fünf Jahrzehnten ward, was Frevlerhand zertrümmert,
Schöner wieder aufgebauet, fest gegründet, fein gezimmert.
In des Altars Weihegrüften ruhn im kunstverzierten Schreine,
von den Wallern hoch verehret, Meinolphs heilige Gebeine.
Und ein Siedler greisen Bartes kniet in Andacht ganz versunken,
von den frommen Lippen sprühen seiner Gottesliebe Funken:
"Allerbarmer! Laß den Samen, den Meinolphus ausgestreuet,
Frisch erblühn und Früchte tragen! Laß verschönet, laß erneuet
Deutschlands Ruhm und Glanz ersteh'n! Steter Eintracht starke Ketten
Mögen unsers Vaterlandes Gaue vor Verderben retten!
Und der wahre Christenglaube - mög er alle fest umschlingen,
Nach dem einen Sternenziele mögen aller Herzen ringen!"
Sprach's. - Noch lange tönt es wieder. Sanft der Linde Blätter rauschten,
Als ob Engel niederstiegen und dem stillen Beter lauschten.
Lange Schatten schwebten leise. Doch der Abendsonne Gluten
Noch verklärend auf dem Siedler, wie auf Meinolphs Linde ruhten.

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