Freitag, 23. Dezember 2011

Vom Nickneger


Die heutigen Kinder kennen sie schon nicht mehr, jene artig an der Krippe dasitzenden Bettelknaben, die sich mit einem freundlichen Kopfnicken bedankten, wenn man eine Münze in den Korb einwarf, den sie auf den Knien hielten. "Nickemännekes" nannte man sie in der hiesigen Gegend und es gab unter ihnen Europäer, Afrikaner und Asiaten, denn die Not ist überall auf der Welt vorhanden. Die weitaus größte Fraktion unter ihnen bildeten die Afrikaner. Zumeist sammelten sie für den "Kindheit-Jesu-Verein", das päpstliche Werk der Hl. Kindheit. Nach dem letzten Konzil freilich war ihre Abschiedsstunde gekommen. Im günstigsten Fall fand man sie nur unzeitgemäß. Zumeist aber wurde das Spendensammeln mit einer Nickfigur als diskriminierend für die so Beschenkten dargestellt. Ja, man verunglimpfte sie gar als rassistisch, obwohl doch auch bei Ihnen eigentlich alle Rassen vertreten waren. Daß sie der Liebling der Kinder waren und diese zum Teilen mit ärmeren Kindern in der Welt animierten, half da auch nicht. Zu Tausenden wurden sie zerschlagen und durch pädagogisch wertvolle und daher langweilige Sammelgebilde aus Blech oder Irdenware ersetzt. Und doch, in einigen Gemeinden, zumal auf dem Lande, blieben sie erhalten und durften weitersammeln. Die Figur in einem Nachbarort trägt sogar noch die originale Inschrift: "Ich war ein armer Heidensohn - nun kenn' ich meinen Heiland schon; und bitte darum jedermann: Nehmt Euch der armen Heiden an!" Auch in meiner Heimatkirche bedankt sich noch alljährlich zur Freude der Kinder ein Bub aus Afrika für die Gaben. Warum auch nicht? Ich kenne kein Kind, daß zum Rassisten geworden wäre, nur weil es seine Spargroschen einer artig nickenden Gipsfigur anvertraut hätte. Mittlerweile scheint die nickende Sammlerschar wieder eine Renaissance zu erleben. Ich kenne Kirchen, die sogar wieder eine neue Nickfigur angeschafft haben. Wo man sie bekommt? Ganz einfach, ihr Geburtsort ist hier.
oder auch hier direkt beim Hersteller. Dort habe ich auch das obige Bild "geklaut".
Einen weiteren Hersteller gibt es in Thüringen.

Kommentare:

  1. Vor 15 Jahren habe ich mir in einem Antikladen hier in Amsterdam einen gekauft fuer 15 Gulden. Er steht bei mir auf dem Kuechentisch, wenn ich "Mitesser" habe. Die Reaktionen meiner Freunde waren zunaechst eher gemischt. ;-) Inzwischen jedoch kann ich jeden Januar einen schoenen Betrag an die Steyler Mission weiterleiten.

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  2. Bei uns stand so eine Figur im Kindergarten im Gang - jeden Tag sind wir alle daran vorbeigegangen.
    Das dürfte keinem von den vielen Tausend Kindern geschadet haben, die im Lauf der Jahrzehnte hier waren.

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