Freitag, 25. November 2011

Abschied vom Opfergang

Begeben wir uns heute einmal wieder in den Pastoralverbund Dunkelwald im tiefsten Westfalen. Dort gibt es zwei Dörfer, nennen wir sie einmal Großental und Glasheim, in denen sich eine volksliturgische Besonderheit gehalten hat: Der Opfergang.
Was ist das? Ganz einfach: Vor oder während der Opferung in der Hl. Messe verlassen die Gläubigen die Bänke, gehen "im Gänsemarsch" durch den Chorraum und umrunden den Hochaltar von der Evangelien- zur Epistelseite. An der Epistelseite steht das Opferkörbchen, worin sie ihre Gabe ablegen und dann (im Requiem) vom Ministranten das Sterbebildchen empfangen. Seit der unseligen Aufklärungszeit um 1800 ging dieser früher vor allem an Wallfahrtsorten und in Requiemsmessen beheimatete Brauch immer mehr verloren. In wenigen Orten hielt er sich, so auch in unseren beiden Dörfern, wo er bei den Beerdigungsseelenämtern in Gebrauch blieb. Auch die Schützen pflegten ihn an ihren Patronatstagen.
Natürlich soll nicht unerwähnt bleiben, daß der Opfergang auch seine Feinde hatte. Vor allem Zeit- und Bequemlichkeitsgründe waren es, die einige Leute ins Spiel brachten. Bei den bisherigen Pfarrern konnten sie nichts ausrichten, die Tradition ging vor. Nun aber ist ein neuer Seelsorger da. Der verlangte nun, man solle nicht mehr hinter dem Hochaltare hergehen, daß störe ihn beim Messelesen, sondern vor der Kommunionbank bereits drehen. Er hätte auch auf den Sedilien warten können, bis der Opfergang vorbei ist, aber das wollte er nicht. Nun hatten die Feinde des Opfergangs "Wasser unter dem Kiel". Der Opfergang sei ein unangenehmes "Schaulaufen" für die trauernden Angehörigen und man solle ihn ganz abschaffen, "argumentierten" sie und verwechselten gleichzeitig Argumente mit Parolen. Der Ortsgeistliche nickte dazu und schon war eine vielhundertjährige, sinnreiche Tradition mit einem Federstrich abgeschafft. Der Rest ist schnell erzählt: Zwei Leute wiegelten nun auch den Pfarrgemeinderat in Glasheim auf, auch hier wurde mit kurzer Abstimmung der Opfergang abgeschafft. Wer anderer Meinung war, traute sich nichts zu sagen, der Kirchenvorstand hielt sich ebenfalls sehr bedeckt und der Geistliche nickte die Sache ab. Nun kann er, auf das Debakel angesprochen, sich wunderbar hinter der Entscheidung der Pfarrgemeinderäte verstecken, der er ja garnicht hätte folgen müssen.
Es gibt in beiden Orten schon Leute, die für ihre Beerdigung genaue Verfügungen getroffen haben... traurig, daß man das heute muß, um katholisch unter die Erde zu kommen!
Was besonders traurig stimmt: Die Schützen hätten den Opfergang ja für ihre Patronatsmessen beibehalten können, schimpfen auch über seine Abschaffung wie die "Rohrspatzen", haben aber nicht den Mut, dem Ortsgeistlichen in dieser berechtigten Angelegenheit ins Angesicht zu widerstehen.
Gestern war das erste Seelenamt ohne Opfergang. Kalt,kurz und ohne Begründung wurde die Gemeinde darauf hingewiesen, daß er ab sofort abgeschafft sei. Was bleibt, ist Bitterkeit...

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