Dienstag, 9. August 2011

Patronatsfest in Dunkelwald

Heute machen wir einmal einen Ausflug in eine kleine Landstadt inmitten unseres lieblichen Hochstiftes. Nennen wir sie einmal Dunkelwald. Die Dunkelwalder Pfarrkirche ist seit alters her dem Hl. Kilian geweiht, wogegen hier im Hochstift niemand etwas hat, was aber auch niemand sonderlich interessiert. So sind sie halt, die Ober- und Niederwälder, sie meinen das nicht bös.
Ach ja, bös... beschäftigen wir uns einmal kurz mit dem Pfarrer des neu geschaffenen Pastoralverbundes Dunkelwald, nennen wir ihn einfach Joseph Burania. Dieser schaffensfreudige Mann hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Dunkelwalder und alle ihre Nachbardörfer mit seinem "pastoralen Team" aus der katholischen Lethargie zu reißen und den Glauben neu zu erfinden. Nun, die meisten seiner Schäflein interessiert sein Aktionismus wenig, sind sie doch längst wieder Heidenkinder geworden und der maingestreamten Neu-Apostasie verfallen.
Jene aber, die in alter Verstocktheit den Glauben ihrer Kindertage immer noch nicht abgelegt haben, kommen unbegreiflicherweise mit dem doch wohlmeinenden Pfarrer Josephus Burania nicht zurecht.
Am letzten Sonntag war Patronatsfest in einem kleinen Ort, der zur Pfarre Dunkelwald gehört, aber schon vor Jahrhunderten im Kampfgetümmel unterging. Einzig das Kapellchen, der Großmutter unseres Herrn dem Fleische nach geweiht, blieb erhalten:

Am ersten Augustsonntage kommen nun die verstockten, immer noch nicht von verstaubten Gewohnheiten lassen wollenden Einwohner der umliegenden Dörfer hier zusammen, um ein "Levitenamt" zu singen und hinterher ordentlich zu feiern, ja selbst unkontrolliert Alkolica zu genießen und auch noch im Walde zu rauchen.
Um die schrecklich altmodische Feier nun doch etwas attraktiver für die Jugend zu machen, die dann allerdings doch nicht dort war, hatte Hochwürden Burania den "Pastoralverbundstag" erfunden. Toll. Alle Gemeinden treffen sich zur Meßfeier an der Kapelle, an allen anderen Orten des Pastoralverbundes findet an dem Sonntag-Vormittag keine Hl. Messe statt. So, weit, so gut. Wer jetzt glaubt, daß die 3 Priester des Verbundes wie gewohnt das Allerheiligste in Prozession von Dunkelwald zu jener Kapelle getragen hätten, wie es mindestens 340 Jahre Sitte war, der täuscht sich gewaltig. Hochwürden Burania machte schriftlich allen Gläubigen klar, daß die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Supergaues, ähh, Verzeihung, -konziles es verboten habe, eucharistische Prozessionen VOR der Hl. Messe stattfinden zu lassen. Das rückständige Volk wie auch der armselige Schreiber dieser Zeilen fühlten sich, gelinde gesagt, auf den Arm genommen. Bislang konnte die von Hochwürden Burania erwähnte Schriftpassage nicht ausfindig gemacht werden. Aber vielleicht gibt es hier einen studierten Mitleser, der uns besser belehren kann. Der Herr Pfarrer wird doch sicherlich seine, wenn auch verstockten und nichtswürdigen, Schafe nicht etwa belogen haben!?
So zog denn eine traurige Prozession von Dunkelwald zur Kapelle. Der Heiland mußte zuhause bleiben. Die Böllerschützen wollten erstmals nach über 40 Jahren das Fest wieder mit Böllern begrüßen. Leider wurde dieses Ansinnen durch Ehrenbürgermeister Josef-Franz Wendehals torpediert. Altbürgermeister Wendehals ist immer auf der Höhe der Zeit, paßt sich seine Familie doch seit über 100 Jahren der jeweils herrschenden Regierung und dem dazugehörenden Mainstream problemlos an. Wendehals beschwerte sich nun, daß die Knallerei seinem und dem Tinnitus anderer Leute nicht guttäte. Natürlich fragten sich auch hier die Spötter, ob denn das Knallen seines Jagdgewehres seinem Tinnitus nicht schade. Aber man muß auch an den Naturschutz denken. Schließlich liegt die Böllerwiese mitten in jenem Jagdrevier, für das der Herr Ehrenbürgermeister das "Begehungsrecht" hat. Somit muß er sich ja mit der Materie auskennen. Der Verdacht, er wolle nur seine jagdlichen Interessen durchsetzen, muß als schäbig zurückgewiesen werden. So unterblieb nun auch das Böllern.
Das Hochamt war dann mehr eine Betsingmesse, dekoriert mit belanglosen Friedensgesängen des örtlichen Kirchenchores. Aus einstmals 2000 Gläubigen sind heute etwa 500 geworden. Mit den Meßtexten hatte sich Hochwürden Burania erhebliche Mühe gegeben. Bis auf die Epistel vom starken Weibe, daß es zu finden gilt, hatte er alle Texte neu gestaltet und dem Empfinden der heutigen Menschen angepaßt. Leider wurde auch dieses sein Mühen nach der Hl. Messe von der Mehrzahl der ignoranten und biertrinkenden Traditionskatholiken schlecht geredet und durch den sprichwörtlichen Kakao gezogen.
Auch sein Versuch, alle Anwesenden miteinander zu versöhnen, scheiterte an der westfälischen Sturheit. Zum Vater unser sollten wir uns alle (alle!) an die Hand nehmen und eine große Kette bilden. Vor allem die Einwohner des Nachbarortes Glasheim erwiesen sich hier als liturgische Ignoranten. Einer bedrohte sogar die vor ihm stehenden ChristinnenInnen mit den Worten: "Wer mich anfaßt, kriegt was mit dem Regenschirm drüber!" Wegen einer starken Allergie gegen Grünzeug konnte Hw. Burania dann auch nicht die Hl. Kommunion austeilen. Das besorgten seine 2 Mitbrüder und zwei KommunionhelferInnen. Als sehr praktisch erwies sich die Verwendung eines "Headsets" durch den Zelebranten. Für alle, die so rückständig sind, wie der Schreiber dieser Zeilen:
Das ist ein Microphon, welches man sich mit einem kneifenden Drahtbügel am Kopfe befestigt. Vor dem Mund hat man dann so ein lustiges Schaumgummibällchen. Diese technisch durchdachte Lösung hatte nun zur Folge, daß das (noch) gläubige Volk auch endlich einmal die böse gezischelten Regieanweisungen des Hochwürdigen Pfarrers an seine ahnungslosen Ministranten und Mitzelebranten mitbekam. Lustige Kommentare einzelner Gläubiger waren denn auch die Folge. Eines bleibt zum Schluß zu sagen:
Das Bier zum Beschlusse der Feier hat allen Anwesenden geschmeckt, zumal der H.H. Pfarrer Burania sich mit seinen beiden Amtsbrüdern ganz schnell verabsentierte, ohne mit seinen sowieso bockigen Schäfchen das Gespräch gesucht zu haben!

Kommentare:

  1. Lieber Sursum corda,

    da kannst Du nichts machen: der Hochwürdige Herr Burania ist doch StD a.D., und Lehrer haben bekanntermaßen morgens recht und mittags frei!

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  2. Uah! Ist das etwa die Kirche St. Kilian, die gar keinen Volxaltar hat(te)?

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  3. Meine Herren, pssst, ofenbart hier bitte nicht die wahre Identität von Ort und Pfarrer, sonst werde ich noch geköpft, :-)
    Das Bild zeigt nicht besagte Pfarrkirche, die hat seit langem eine Zentralkredenz, sondern besagte Kapelle, in der auch bei bestem Willen kein Platz für so ein Möbelstück ist. Ich gebe es zu: Die Kanontafeln habe ich nur für's Foto installiert.

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  4. Manchmal frage ich mich, von welchem Strauch diese Aktionsheinis alle gepflückt worden sind.
    Ich fechte gerade mit einem ähnlichen Daniel Düsentrieb einen Strauß aus. Wenn ich aber darüber berichtete...
    Es ist der gleiche Blödsinn, nur ganz anders!
    Übrigens gibt es diesen Beschluß zu eucharistischen Prozessionen in den Texten des Konzils nicht. Hat da wieder einer aus den verhinderten Arbeitspapieren eines gewissen "Annibale B." zitiert?
    Heiliger Michael, steh uns bei!

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  5. Lieber Sursum corda,
    keine Sorge, der Kopf bleibt dran ;)
    Ich vermute mal, dass das "Verbot", auch wenn es sich nirgends finden lässt, eucharistische Prozessionen vor der Messe stattfinden zu lassen, daher rührt, dass man dann wahrscheinlich früher vor in der Monstranz auf dem Altar ausgesetztem Allerheiligsten zelebriert hat. Und das passt ja wirklich nicht so richtig, auch wenn es früher sogar zur Erhöhung der Feierlichkeit auf Libori im Hohen Dom so gepflegt wurde. Ich würde am Ziel der Prozession mit einem sakramentalen Segen enden, reponieren, die Paramente wechseln und dann mit der Messe beginnen. Dann wäre doch eine deutlich Trennung sichtbar und alle wären zufrieden. Und übrigens: Ewiges Händchenhalten mit anderen Leuten ab dem Vaterunser ist mir auch zuwider, den meisten geht es ähnlich. Und außerdem sieht es einfach nur dämlich aus...

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  6. Danke für Eure Hinweise. Amt vor ausgesetztem Allerheiligsten war in diesem Falle auch früher nicht, da die Messe wegen der großen Volksmenge an einem Außenaltar gefeiert wird. Die Prozession endete mit dem Segen, das Allerheiligste wurde unter der Messe auf dem Hochaltar der Kapelle ausgesetzt.

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  7. Braucht ihr noch ´nen Pfarrer? Meine bayerischen geschwisterlichen ChristinnenInnen vom PGR machen mir die Hölle heiß, weil ich ihren ganzen liturgischen Tingeltangel nicht mitmache.

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  8. Aber gern! Immer munter bewerben, Adresse wird auf Wunsch gern mitgeteilt!

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