Donnerstag, 25. August 2011

Meinolphustag in Böddeken

Westfalen hat nicht viele Heilige hervorgebracht, die eine größere Bekanntheit erreicht haben. Der Hl. Meinolphus ist wohl einer der im Hochstift volkstümlichsten lokalen Heiligen. Geboren wurde er wohl um 795 von seiner noch heidnischen Mutter Wichtrud irgendwo zwischen Haaren und Wewelsburg, der Überlieferung nach unter der Linde, die (oder deren Nachkomme) heute vor der ihm geweihten Kapelle unweit des später von ihm gegründeten Klosters Böddeken steht.
Meinolphus war adeliger Herkunft, Karl der Große wurde nach der Bekehrung seiner verwitweten Mutter sein Patenonkel. Er wurde unter Bischof Hathumar in der Domschule von Paderborn erzogen, ins Domstift aufgenommen und zum Diakon geweiht. 836 wurde er Archidiakon des Bistums, im selben Jahr holte er die Reliquien des Hl. Liborius von Le Mans nach Paderborn. 837 gründete er das Kanonissenstift Böddeken nahe Wewelsburg, der Überlieferung nach an jener Stelle, die ihm ein Hirsch mit einem Kreuz zwischen dem Geweih gezeigt hatte. Er war wesentlich an der Christianisierung seiner noch heidnischen Landsleute beteiligt. Er starb am 5. Oktober 857 in seiner Gründung Böddeken. Sein Fest wird ebenfalls als Paderborner Eigenfest am 5. Oktober gefeiert.
Das Kloster wurde später von Augustiner-Chorherren übernommen, bis diese durch die unselige Säkularisation 1803 vertrieben wurden.
Später übernahm die Familie von Mallinchrodt Kloster Böddeken und ließ unweit des ehemaligen Klosters an der überlieferten Geburtsstelle eine neugotische Kapelle nach Plänen von Vincenz Statz errichten. Die angebaute Eremitage ist voll eingerichtet, leider aber seit Jahrzehnten unbewohnt. Neben der Kapelle befindet sich der Friedhof der Familie von Mallinckrodt.
Da es sich im Oktober schlecht draußen feiern läßt, ist der eigentliche Festtag in Böddeken der Weihetag der Kapelle, der letzte Augustsonntag. Von Wewelsburg aus zieht man in Prozession ins Tal, um 10 Uhr beginnt das Festhochamt vor der Kapelle, zu dem immer noch einige Hundert Gläubige kommen. Es ist eine jener Feiern, die ihren Charakter trotz aller Reformen gut bewahren konnten.
Der Festprediger hat vor der Predigt jene uralte kleine Glocke zu läuten, die sich im Grabe des Heiligen fand und mit der er der Überlieferung nach auf seinen Predigtgängen die Sachsen zusammenrief.
Nach dem Hochamt ist natürlich (ganz westfälisch!) auch für Speis, Trank und Blasmusik gesorgt.





Kommentare:

  1. Wunderschöner Bericht und einladende Fotos.
    Werde ich aber in diesem Jahr kaum schaffen.
    Klingt nach Geheimtip!

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  2. Doch, ist es auch. Die Leute, die noch kommen, kommen auch gern. Die Liturgie ist ohne Experimente, die Geistlichkeit trägt ganz selbstverständlich barocke Gewänder, und die "Staubmesse" hat sowieso immer noch ihre Freunde.

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