Montag, 22. August 2011

Kräuterweihe und was daraus wurde...

Alle hatten sich auf das Sonntagshochamt gefreut. Schließlich war Mariä Himmelfahrt gewesen und die Landfrauen hatten Kräuter für die Weihbunde gesammelt, die man dann gemeinschaftlich gebunden hatte. Auch für die älteren Leute, die nicht mehr so "mobil" sind, gab es noch eine Menge Weihbunde, die man nach dem Sonntagshochamt mitnehmen konnte.
Schon seit vorkonziliaren Saurierzeiten war Mariä Himmelfahrt am folgenden Sonntag in allen Gemeinden noch einmal als äußere Feier festlich begangen worden. Doch in diesem Jahr sollte alles anders kommen... Natürlich war am Feste selbst in der Wallfahrtskirche des Nachbarortes am Abend ein "Hochamt" gewesen. Nicht schlimm, am Sonntag würde ja in den anderen Dörfern mit Krautweihe noch einmal gefeiert werden, so wie immer. Wirklich? Nun, man kann garnicht so dumm denken, wie es letztendlich kommt!
Am Sonntag trat der zuständige Hochwürdige Herr im grünen Meßgewande an den Altar und machte den Leuten ziemlich barsch klar, daß ja Mariä Himmelfahrt schon gewesen sei und man das ja nicht zweimal feiere. Aber man wolle "es" (die Kräuterweihe) "noch einmal" machen. Sprach's, betete irgendein Schrumpfgebet aus irgendeinem Buch, schlackerte lieblos etwas Weihwasser drüber und widmete sich dann einer zehnmütigen Meßeinführung zum Thema Weltjugendtag, bei der er sämtliche Radio- und Fernsehsender katholischer Herkunft aufzählte, die man gefälligst gucken solle. Anschließend wurde die Gemeinde mit Liedern aus dem Gotteslob beglückt, die keiner singen konnte, keiner singen können wollte und die man (der Einschub sei mir gestattet) auch nicht singen zu können braucht. Dazu gab es ellenlage Antwortpsalmen auf langweilige Melodien aus eben demselben Gesangbuch. Die Gläubigen gingen enttäuscht nach Hause, einige schimpften wie die sprichwörtlichen Rohrspatzen... Der Zelebrant bekam davon nichts mit, er verläßt das Gotteshaus zumeist im Stechschritt, um nicht mit seinen noch plaudernd dastehenden Schäfchen reden zu müssen.
Gott bewahre uns vor falschverstandener liturgical correctness!

Kommentare:

  1. Wenn ich ehrlich bin, dann muß ich gestehen, daß auch ich kein Freund der "Dominikantenkultur" bin, daß also alles am Sonntag vor- oder nachgefeiert wird, nur damit die zufriedengestellt werden, die "nur sonntags" zur Kirche gehen. Feste sollten so gefeiert werden, wie sie fallen und die Gottesdienstordnung daher flexibel gehalten werden (nur weil montags sonst keine Messe ist, darf Mariä Himmelfahrt nicht ausfallen).

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  2. Sicher ist es besser, korrekt zu feiern. Aber wenn ein Priester für 6 (!) Dörfer zuständig ist, kann ein solcher Spezialtermin wie Mariä Himmelfahrt mit Kräuterweihe einfach nicht zufriedenstellend bewältigt werden, wenn die Messe trotz Feiertag nur an einem Ort gefeiert wird und selbst die dann noch ohne Weihe. In einem solchen Fall bin ich da schon für eine Ausnahme. Gerade auf dem Land ist die Lage recht bedrückend, da ein Pfarrverbund mit 10000 Seelen leicht 15 (Pfarr-)Kirchen umfassen kann. Bei uns gibt es Pfarreien mit 150 Einwohnern und Filialen mit 600 Seelen. Ein wenig Flexibilität täte da recht gut, seufz.
    Aber was hilft es: Ab 2019 werden hier 3 Priester für 21 Dörfer zuständig sein. Dann können wir das Licht sowieso ausmachen. Wer eine ordentliche Liturgie will, fährt bereits jetzt nach Paderborn, sofern er in der Nähe wohnt.

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  3. Nun ja, Mariä Himmelfahrt hängt ja gottlob nicht allein von der Kräuterweihe ab. Und wenn man zentral an diesem Tag ein Festhochamt abends für der Pfarreienverbund feiert, dann sollte sich doch für diejenigen, denen das Hochfest mitsamt Kräuterweihe so viel bedeutet, die Möglichkeit ergeben, dort hinzufahren. Ich habe auch an meiner alten Arbeitsstelle den Kopf geschüttelt, als das Aschenkreuz noch einmal am 1. Fastensonntag ausgeteilt wurde. Ich weiß, ich übertreibe jetzt: Wir können ja auch am Ostersonntag noch einmal Fußwaschung machen für die, die am Gründonnerstag nicht dabei waren.

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  4. Ich habe eher ein Problem mit der zehnminütigen Messeinführung. Egal was für ein Anlaß, das geht nicht! "Brevissimis verbis" steht in der Einführung ins Messbuch. Und dann ist die Einführung auch noch nicht Teil des Wortgottesdienstes, so unter dem Motto "Im heutigen Evangelium hören wir...", sondern sollte mystagogisch in die Feier einführen. Dazu gehört bestimmt nicht das Radio- und Fernsehprogramm. Zugegeben, so richtig gelingt das kaum jemandem. Auch nicht in Paderborn ;)

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  5. Das "Festhochamt" war ohne Rauch, mit zwei nicht eingeübten Neu-Messdienern. Die alten Leute wurden mit Gotteslob-Psalmodien überschüttet.Auch dort wurde 3 Mal in der Messe gepredigt, die Kräuterweihe aber "vergessen" und auch vorher nicht angekündigt. Stattdessen hatte man die Kommunionbank mit Papierblumen von der nachmittäglichen Kinderwallfahrt unbrauchbar gemacht.
    Leid tun mir unsere alten Leute, denen das alles noch etwas bedeutet, die, anders als in der Stadt, nicht mal eben mit ÖPNV über Land fahren können (weil er fast nicht existiert) und die man liturgisch einfach allein läßt. Toll, ganz toll. Ich erwarte nicht, daß ein Priester zur Zelebrationsmaschine wird, aber 2 Messfeiern an einem Hochfest kann man durchaus verkraften. Unsereins muß auch 8 Stunden arbeiten. Wir brauchen keine Erklär-Bären, wir brauchen Seelsorger.

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