Freitag, 29. Juli 2011

Libori-Lieder

Anbei einmal einige Liboriuslieder, die die Gesangbuchgeschichte so hervorgebracht hat. Die Umdichtungen aus dem derzeit gültigen Diözesananhang des Gotteslobes erspare ich dem geneigten Leser.

Paderborner Gesangbuch von 1726:
1. Freut euch, ihr Paderbörner, Euch ist ein Freud beschert:,: Uns ist der Cenomanner, Der größte Schatz verehrt, den vor neunhundert Jahren der Bischof Baduard aus Frankreich her gefahren zu uns in aller Gnad, Kyrie eleis.

2. O wohl ein grosses Kleinod ist uns das heilig Pfand, Es war ein wilde Einöd allhier in diesem Land, Es waren blinde Heiden und lauter Dunckelheit, die niemand konnte meiden, hier war Unwissenheit, Kyrie eleison.

3. Mit diesem Licht und Cörper nimmt zu die christlich Lehr: Es geben Städt und Dörfer dem wahren Gott die Ehr. Es thun groß Wunderzeichen Liborii gebein, dadurch die Hertz erweichen, und glauben insgemein, Kyrie eleison.

4. Lobt Gott ihr ersten Christen, die solchen Schatz gesehn, Und jetzt in Himmels Lüften das jährlich Fest begehn. Wir eure Kinder dancken, so viel als möglich ist, So oft wir daran gedencken, daß Gott so gnädig ist, Kyrie eleison.

5. Dir fallen wir zu Füssen, du unser Schatz und Schutz! Dein heilig Gebein wir küssen, zu unserm Trost und Nutz, Sey unser Hirt und Weide, das ganze Vatterland, daß kein von hinnen scheide, er nehm das Himmels Pfand, Kyrie eleison.

Paderborner Gesangbuch von 1765:
1. Rühm und lobe, sing und preise, Du beglückte Pader-Stadt! Den der wunderbahrer Weise Dich so oft beschirmet hat. Werff dich vor die Gnaden-Lade der so heiligen Gebein, welche, daß kein Feind dir schade, deine stete Brustwehr seyn.

2. Licht und Schein war uns benommen, da man sie geraubet hat; So bald sie nur wieder kommen, spührt die Hülf gleich diese Stadt. Nun Libori! bey uns bleibe, schütz dein anvertrautes Land; Alles Unheyl von uns treibe, dieses kanst du, wie bekannt.

3. Treuer Bischof unsrer Seelen, O Libori! unsre Cron, dessen Gnaden nicht zu zählen, werther Stadt-und Lands-Patron: Beyde haben dir zu dancken, daß durch dich, und dein Gebet, nun ihr Zustand in den Schrancken - Eines wahren Glückes steht.

4. Drückt uns die Verfolgungs-Menge, Du o Vater! schwächst die Last; Du hilfst uns aus dem Gedränge; wann uns Furcht und Angst umfaßt: Du bist unser Schutz im Leben, Von dir Heyl und Wohlfahrt fließt, Deine Fürbitt woll uns geben - Was uns nütz- und selig ist.

5. Laß die Andacht nicht erkalten, und den Eyfer deiner Ehr: Der du uns bisher erhalten - Bey der wahren Glaubens-Lehr. Gib anbey, daß wir bedencken, was für deine Lieb und Treu, dein ergebnes Volck zu schencken, dir hinwieder schuldig sey.

Paderborner Gesangbuch von 1765:
Das 4te von den Tugenden des h. Liborii und Bitte um Gnade zur Nachfolge. Im Thon: Sey gegrüsset o Libori. Oder in eigener Melodie.
1. O Libori! groß daroben, Wo die Engeln Jesum loben, Vor dem hohen Himmelsthron, Unser Trost in Aengstigkeiten, Unsre Hülf in schweren Zeiten, Unser Schutz- und Schirm-Patron!

2. Schau vom Himmel ab und mercke Meine geringe Andachtswercke, Dir zu Ehren angestellt. Von Verstreuung mich errette, Helf mir, daß ich also bette, Wie es meinem Gott gefällt.

3. Grosser Bischoff! in der Jugend Warst du schon geneigt zur Tugend, Und beflissen from zu seyn: Diese ist mit deinen Jahren Stets zu wachsen fortgefahren Bis zum hellen Mittagsschein.

4. Schaffe, daß ich auch mich lencke Zu der Tugend, und versencke Mich in meinem Gott allein: Daß im Glauben, Hoffnung, Liebe, Ich mein Herz beständig übe, Bis zu meinem Grab hinein.

5. Nach der Lehr, so Gott gegeben, hast gericht dein gantzes Leben Ohne Anstoß, ohne Fehl: Keiner hat dich je gesehen, Einen falschen Tritt begehen, Wider Gott und sein Befehl.

6. Bitte Gott, daß ich auch wandle Ohne Tadel, und nichts handle Wider ihn und sein Gebott: Bitte mir die Gnad beneben, Daß ich allzeit möge leben Keusch und rein vor meinem Gott.

7. Deine Demuth gegen allen, Und dein Sanftmuth hat gefallen Gott und Menschen jederzeit: In dem Hertzen und Gemüthe Warest immer voller Güte, Voller Lieb und Freundlichkeit.

8. O Mann Gottes! helf bey Zeiten Zorn und Hoffart zu bestreiten, Die den Sinn und Hertz verkehrt: Schaffe, daß ich sey demüthig, Und von Hertzen mild und gütig, Wie mein Heyland Jesus lehrt.

9. Ehr der Welt hast du verachtet, Ihre Freud für nichts geachtet, Und in Gott beruhet still: Dessen Willen hast du eben Stets gefolgt in deinem Leben, Alles wollend, wie Gott wil.

10. O Freund Gottes! für mich bette, Daß ich auch mit Füssen trette Alle Welt und ihre List: Daß ich auch, so lang ich lebe, Mich in Gottes Willen gebe, Gleich wie ihm gefällig ist.

11. Sanct Martinus, wie wir lesen, Ist bey deinem Tod gewesen, Bis zu deiner letzten Stund. O wie schöne Leibsbewegung, O wie süsse Hertzenregung, Flossen da aus deinem Mund.

12. O Libori! wann ich sterbe; Mir auch diese Gnad erwerbe, Daß ich nicht ohn Beystand sey: Wann die Todangst an mich dringet, Und in letzte Nöthen bringet, Komm zu mir, und steh mir bey.

Joseph Tillmann (Pfarrer zu Erkeln), Katholisches Gesangbuch (1796 – 1876)
Mel. Sey gegrüßet, o Libori!
1. Gottes Ehre zu vermehren, und Libori! dich zu ehren, machen wir dein Lob bekannt. Großer Bischof! deine Tugend lehrt das Alter und die Jugend, sie erbauet jeden Stand.

2. Demuthsvoll, gerecht, geduldig, menschenfreundlich, fromm, unschuldig bist du lieber Gottesmann! deine Beyspiel´ glänzen immer; schön ist deiner Tugend Schimmer, herrlich deine Lebensbahn.

3. Du vermehrst hier Gottes Ehre, du verbreitest Jesu Lehre, führst getreu das Hirtenamt. Tugendliebe zu erwecken, und von Sünden abzuschrecken, ist dein Eifer angeflammt.

4. Liebevoll zeigst du dich den Armen, reichst die Hände voll Erbarmen der Bedrängten Dürftigkeit; stärkst die Schwachen, und den Kranken gibst du Trost- und Heilsgedanken; heilig wirst du allezeit.

5. So verharrst du bis an´s Ende, bis dein Geist in Gottes Hände sich ergibt. Dein heil´ger Tod schafft dir dort die Lebenskrone, und zu deinem Tugendlohne freust du ewig dich in Gott.

6. Blick, Libori, auf uns nieder! Schütze uns und unsre Brüder, laß uns deinen Beystand sehn. Laß dein Beyspiel uns belehren, daß wir Gottes Ehr´vermehren, und den Weg des Heiles geh´n.

7. Hilf hier, Vater! deinen Kindern; laß ihr Elend sich vermindern. Sey stets Vater! Steh uns bey. Wenn uns in den bittern Tagen Unglück, Noth und Jammer schlagen; Vater, mache uns dann frey!

8. Führe unsre Obrigkeiten, daß sie Glück und Heil verbreiten, streit für unser Vaterland. Mach´ daß auch die Unterthanen sich den Weg des Segens bahnen, mache glücklich jeden Stand.

9. Gott den Vater laßt uns preisen, seinem Sohne Ehr´ erweisen, und dem heil´gen Geist´ zugleich. Gott, du Freude der Gerechten! nimm einst hin zu deinen Knechten uns von hier in´s Himmelreich.

Und zuletzt die beiden bekanntesten, in der Fassung des Diözesangesangbuches Sursum Corda:
1. Sei gegrüßet, o Libori, dessen Name, Ehr und Glorie Gott auf Erden groß gemacht; sei gegrüßt im Himmel droben, wo dich Christus hoch erhoben und die Krone dir gebracht!

2. Durch dein Beispiel, deine Lehre hast für Gott und seine Ehre du geeifert allezeit; deine Heerde treu geleitet, Christi Namen ausgebreitet in der dunklen Heidenzeit.

3. Dich mit Andacht zu begrüßen, liegen wir zu deinen Füßen, flehn zu dir mit Zuversicht: deine Ohren zu uns neige und uns deine Huld erzeige, in der Noth verlaß uns nicht.

4. O Libori, deine Güte unsern Leib vor Leid behüte, lindre, was ihm schmerzlich fällt; denn du kannst die Schmerzen heilen, wider Krankheit Hülf ertheilen, als ein Arzt von Gott bestellt.

5. Hilf vor Allem unsrer Seele, daß ihr Ziel sie nicht verfehle auf der Reis´zur Ewigkeit; will der Satan uns bestreiten und zum Bösen uns verleiten, steh uns hülfreich dann zur Seit.

6. O Freund Gottes, Gut und Leben sei in deinen Schutz gegeben, nimm uns auf in deine Hut! Sind wir einst in Todesnöthen, dann woll uns bei Gott vertreten, führ uns dann zum höchsten Gut!

1. Du großer Hirt und Gottesmann, Liborius, halt für uns an, auf daß nicht Gries und Nierenstein die Strafen uns´rer Sünden sei´n.

2. Du, auserwählte Engelschaar, durch deine Hülf uns auch bewahr und führe nach volllbrachtem Streit uns zu der wahren Himmelsfreud.

3. Du großer Hirt und Gottesmann, Liborius, ach, hör´ uns an! Durch Gottes Gnad´ auf dein Gebot flieht Krankheit, Schmerz und naher Tod.

4. Sei unser Arzt für Seel´ und Leib, all´ Sündenübel von uns treib´ und hilf, daß wahrer Tugendsinn des Lebens Krone uns gewinn´.

Kommentare:

  1. Sehr nette Lieder, einige kannte ich noch gar nicht. Herzlichen Dank!

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  2. Immer gern. "Rühm und lobe" läßt sich übrigens sehr gut auf die Melodie von "Schau erbarmend, Gott hernieder" singen.

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