Mittwoch, 6. Juli 2011

Firmung

Gestern war ich zur Firmung in einem Dorfe des Pastoralverbundes Dunkelwald auf der lichten Aue. Es war einigermaßen interessant. Ich will mich hier nicht über die Firmvorbereitung und die Disposition der Firmlinge auslassen, ich war nicht dabei. Was allerdings auffiel:
Die Gemeindeassistentin war auch bei der Firmmesse. Angetan mit einer mehlsackartigen Mantelalbe, die sie mit einem roten Tüllschal geschmückt hatte (Stolaersatz für Quotenfrauen?), stand sie als liturgischer Blumentopf auf dem Chor und lächelte vor sich hin. Zwischendurch ergriff der assistierende Pastor die elektrisch verstärkte Gitarre und zeigte uns, welch "gute Nummer" man doch macht, wenn man im Meßgewande vor sich hin klampft und vierzigmal hintereinander mit einem pubertierenden Mädchen "Come Holy spirit" singt, während der Weihbischof seines Amtes waltet. Der Bischof stand übrigens bei der Firmung, die Firmlinge ebenfalls. Warum sollte die eine Seite auch Ehrfurcht vor Amt und Sakrament einfordern und die andere Seite selbige bekunden.
Die Krone aber setzte der Liturgie der vom Aussterben bedrohte und deshalb durch einige Frauenstimmen ergänzte Männergesangverein auf, der während der Kommunionspendung die Gläubigen mit folgendem hochliturgischen Gesang erfreute:

"Möge die Straße uns zusammen führen und der Wind in deinem Rücken sein.
Sanft falle Regen auf deine Felder und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein.
|:Und bis wir uns wiedersehen halte Gott dich fest in seiner Hand:|

Führe die Straße die du gehest immer nur zu deinem Ziel bergab
Hab,wenn es kühl wird warme Gedanken
und den vollen Mond in dunkler Nacht. Und bis wir....

Hab' unterm Kopf ein weiches Kissen habe Kleidung und das täglich Brot
Sei über 40 Jahre im Himmel bevor der Teufel merkt du
bist schon tot. Und bis wir uns mal wiedersehen halte Gott dich fest in seiner Hand
Und bis wir uns wieder sehen drücke seine Faust dich nicht zu fest."

Banaler und blödsinniger geht es nicht mehr! Daß sich von solch einem sprichwörtlichen Käse auch noch erwachsene Leute angesprochen fühlen, zeigt deren geistiges Niveau. Wenn man glaubt, die Jugend mit so etwas an Gott und Kirche zu binden, dürfte man sich derb verrrechnet haben.
Nach der Firmung mischte sich der H. H. Weihbischof leutselig unters Volk. Der Pfarrer, der Pastor und der ständige Diakon waren nach weniger als 5 Minuten verschwunden, fuhren nach Hause und ließen den hohen Herrn allein mit seinen Schafen. Unhöflicher geht es kaum.

Kommentare:

  1. Ob das Urteil nicht ein wenig hart ist? Der Blick ins Personalverzeichnis zeigt, dass zumindest Pfarrer und Pastor nicht unbedingt Vorreiter des Modernismus sind. Und für manchen Männergesangsverein kann man einfach nichts: "Nää, Herr Pastor, hören se mal, wenn der Bischof kommt, ja dann singen wir aber, dat haben wir hier schon immer so gemacht!" Trotzdem: guter Stil und Geschmack ist leider nicht eine bei der Priesterweihe mitgegebene Geistesgabe und mir wäre es wahrscheinlich auch auf die Nerven gegangen. Fazit: Meide Firmungen ;)

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  2. @Nepomuk: Für den Pastor mag das zutreffen, beim H.H. Pfarrer habe ich noch keine Meßfeier erlebt, bei welcher das römische Meßbuch verwendet wurde... Leider konnte ich die Firmung nicht meiden, ich hatte Anwesenheitspflicht, seufz...

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  3. Das Lied, das angeblich nicht "banaler und blödsinniger" sein kann, ist die Verdeutschung eines irischen Segens. Einfach mal nach "irish blessing" googlen. Da findet man dann eine ganze Menge an Texten, die mehr oder weniger in die gleiche Richtung gehen.
    OK, sie wurden vermutlich nicht vom Tridentinum ausdrücklich genehmigt.

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  4. Was ich mich immer frage: Woher kommt diese in den siebziger und achtziger Jahren so verbreitete Vorliebe für irische Gebete und Texte? Nichts dagegen, aber es gab ja auch sinnreiche Gebete in anderen europäischen Ländern. Ich kann mir nicht helfen, aber diese ganzen "Jugendmessen" werden, zumindest auf dem Dorf, von einer Klientel "gestaltet", die sich mit ihren Kindheitserinnerungen aus den frühen siebzigern jung zu halten versucht. Wenn die alle wüßten, wie dieses Geklampfe den wenigen Kirchenbesuchern "auf den Geist" geht.

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